Tirol ORF.at
MI | 11.04.2012
Bild: ORF
Ende der Jagd
Bär in Bayern geschossen
Der seit Wochen im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet umherstreunende Braunbär "JJ1" alias "Bruno" ist tot. Er wurde in der Nacht auf Montag in der Nähe des Spitzingseegebiets im bayerischen Landkreis Miesbach geschossen.
"Abschuss unausweichlich"
Der Bär sei gegen 4.50 Uhr in der Nähe der Rotwand erlegt worden, nur wenige Kilometer von Tirol entfernt.

Das bayerische Umweltministerium hat den Abschuss des Braunbären "Bruno" als unausweichlich verteidigt. "Das alles ist außerordentlich gefährlich und nicht mehr zu akzeptieren gewesen", sagte Staatssekretär Otmar Bernhard.

Abschuss sei legal gewesen
Der Abschuss sei legal gewesen, so das bayerische Umweltministerium. Der Erlass sei auch in Bayern bereits am Montag in Kraft getreten, da die Kundmachung dafür bereits erfolgt sei - schneller als noch am Samstag angenommen.
Name des Schützen bleibt geheim
Nach Angaben Bernhards wurden die Behörden am Sonntagabend informiert, dass der Bär im Spitzingseegebiet in den bayerischen Alpen gesehen wurde. Drei Jäger hätten sich dann auf die Fährte des Tieres gemacht und den Bären am frühen Montagmorgen aus 150 Meter Entfernung erschossen. "Der Bär war sofort tot", sagte Bernhard.

Die Identität des Schützen werde aber nicht preisgegeben. Nach dem Abschuss von sind beim Landesjagdverband Bayern am Montag zahlreiche Beschimpfungen bis hin zu Morddrohungen eingegangen.
Bär wird in Nymphenburg ausgestellt
Nach einer genetischen Untersuchung soll "Bruno" präpariert und im Münchner Museum "Mensch und Natur" im Schloss Nymphenburg ausgestellt werden. Dort ist auch der letzte vor rund 170 Jahren in Bayern erlegte Braunbär ausgestellt.

Zuletzt war er noch Sonntagabend vom Pächter des Rotwandhauses gesehen worden, der Pächter hat den Bären aber mit Schreien vertreiben können. "Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sich der Bär vor uns fürchtete", schildert der Hüttenpächter das Zusammentreffen.
Letztes Foto von "JJ1" alias "Bruno"
Bild: dpa
Der Braunbär geht Sonntagnachmittag etwa dreihundert Meter vom Spitzingsee entfernt an einer Straße vorbei, wo er von einer Gruppe von Rad- und Motorradfahrer gesehen und fotografiert wurde.
Umweltschützer wollten noch protestieren
In Deutschland wollten Umweltschützer für "JJ1" alias "Bruno" aktiv werden. Als Bären verkleidet wollten sie in den Alpen gegen den Abschuss protestieren. Zu spät.
WWF: "Abschuss gerechtfertigt"
Nach dem Abschuss gibt es bereits eine Reihe von Reaktionen. Naturschutz- und Tierschutzorganisationen wie der WWF bedauern, dass der Bär jetzt erlegt wurde. Der WWF räumt aber auch ein, dass der Abschuss aufgrund des gefährlichen Verhaltens gerechtfertigt sei.

"Unwürdiges Schauspiel"
Anders die Reaktion des Österreichischen Tierschutzvereins: "Was in den vergangenen Wochen mit dem Bären "JJ1" veranstaltet wurde, war ein unwürdiges Schauspiel. Verfolgt, gehetzt nur weil er sich wie ein Bär verhielt. Zu einer gefährlichen Situation für Menschen ist es dabei nie gekommen. Der Abschuss war völlig unnötig.", so der Verein in einer Aussendung.

Deutsche Tierschützer wollen zudem rechtliche Schritte gegen die Verantwortlichen prüfen.

Paul Steixner nicht erfreut
Keineswegs erfreut zeigt sich heute auch Landesjägermeister Paul Steixner - er hatte sich in der Vergangenheit mehrfach gegen den Abschuss ausgesprochen.

Sein Bruder Anton Steixner, seines Zeichens Agrarlandesrat, zeigt sich insofern zufrieden, dass die leidige Geschichte nunmehr erledigt sei. Es wäre ihm zwar lieber gewesen, der Bär wäre gefangen worden, so der zuständige Landesrat. Jetzt sei es eben anders gekommen.
WWF fühlt sich ausgenutzt
Unterdessen wird die Kritik des WWF am Land Tirol immer lauter. 70.000 Euro habe die erfolglose Bärenjagd den WWF gekostet, heißt es. In Bayern werde man weitaus mehr als in Tirol unterstützt - der WWF fühle sich ausgenutzt.
"Verstehe die Aufregung nicht"
Zu dieser Kritik sagt der zuständige Tiroler Landesrat Anton Steixner: "Die Kritik verstehe ich überhaupt nicht. Ich habe mit ihnen ein klares Übereinkommen, dass wir die Kosten vom Landesbudget mit 6.000 Euro unterstützen. Und wir haben ausgemacht, dass wir bei Ende der Aktion ein abschließendes Gespräch führen. Ich verstehe die des WWF überhaupt nicht, weil sie absolut unbegründet ist."
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