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MI | 11.04.2012
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Universität Innsbruck
Grüne kritisieren EADS-Beitrag an Professur
Für politische Diskussionen sorgt die Stiftungs-Professur für Europäische Sicherheitspolitik an der Universität Innsbruck. Die Grünen kritisieren, dass sich die Rüstungslobby durch Sponsor-Beiträge an der Hochschule breit mache.
Kurt Grünewald (Bild: Die Grünen) Geld stinke nicht grundsätzlich
Geld aus der Wirtschaft für die Uni stinke grundsätzlich nicht, in diesem Fall rieche es aber. So bringt Kurt Grünewald, Wissenschaftssprecher der Grünen, seine Bedenken auf den Punkt.
Geld solle woanders aufgetrieben werden
Ein guter Teil der Exkursionen nach Brüssel seien NATO-geprägt, so Kurt Grünewald. Wenn ein ganzes Seminar, das von der Osterweiterung der NATO handle, von EADS gesponsert werde, sei dies zwar nicht verboten. Es wäre aber gut, wenn das Geld dafür wo anders aufgetrieben würde, so Grünewald. Dann würde nicht der leiseste Verdacht einer gefährdeten Unabhängigkeit bestehen. Das gehöre sich auf der Universität einfach so, so Grünewald.
Seit drei Jahren Stiftungsprofessur
Seit drei Jahren gibt es an der Universität Innsbruck die Stiftungsprofessur für Europäische Sicherheitspolitik. Finanziert wird dieser zum Großteil vom Verteidigungsministerium, weitere Mittel dafür kommen unter anderem auch vom europäischen Verteidigungsbündnis NATO und von EADS.
EADS stellt Eurofighter her
Eurofighter auf Landebahn ( Bild: APA)EADS ist jener Konzern, der die vieldiskutierten Eurofighter-Abfangjäger herstellt.
Grüne sehen bedenkliches Naheverhältnis
Für die Grünen besteht ein bedenkliches Naheverhältnis der Uni zum Rüstungshersteller EADS.
"Nicht unproblematischer Interessenskonflikt"
Mehrmals universitätsinterne Turbulenzen
Auch universitätsintern sorgte die Stiftungsprofessur - besetzt durch Prof. Alexander Siedschlag - schon mehrmals für heftige Turbulenzen. Nach positiven öffentlichen Stellungnahmen Siedschlags zum Eurofighter etwa sah die Fakultät für Politikwissenschaften und Soziologie einen "nicht unproblematischen Interessenskonflikt", zumal der Rüstungshersteller EADS Seminare und Exkursionen sponsere.
Grünewald fordert Antworten auf Fragen
Die Grünen wollen von der Uni-Führung Aufklärung darüber, ob hier Lehre und Forschung klar genug vom Sponsoring getrennt seien.

Ja, sagt Uni-Vizerektor Martin Wieser auf Anfrage von Radio Tirol. Nur etwa 4.500 Euro der insgesamt über 150.000 Euro für die Aktivitäten des Lehrstuhls für europäische Sicherheitspolitik seien im Vorjahr von EADS gekommen, rechnet er vor. Vizerektor Wieser sagt grundsätzlich zum Thema Sponsoring:
"Sehe keinen Ausschließungsgrund"
"Im Moment ist es so, dass die Republik Österreich mit der Firma EADS einen umfangreichen Vertrag abgeschlossen hat. Ich sehe da keinen Ausschließungsgrund, warum man mit einem Geschäftspartner der Republik nicht versuchen sollte, Sponsorgelder zu lukrieren. Zuwendungen durch Sponsoren haben mit der Stiftungsprofessur und ihrer Grundfinanzierung eigentlich überhaupt nichts zu tun."
Vertrag verlängert
Laut Universität ist der Vertrag für die Stiftungsprofessur übrigens vom Verteidigungsministerium grundsätzlich um weitere fünf Jahre und damit bis zum Jahr 2014 verlängert worden.
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