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MI | 11.04.2012
Frau sitzt am Computer (Bild: www.faktori.wuk.at)
Politische Diskussion
Tirol beschäftigt zu wenig Behinderte
Zuletzt haben Tirols Grüne die niedrige Beschäftigungsquote von Behinderten in Tirol kritisiert. Tirol ist hier mit nur 45 Prozent österreichweites Schlusslicht. Jetzt orten auch die Regierungsparteien ÖVP und SPÖ Defizite.
Nach dem Behinderteneinstellungsgesetz müssten rund 5.400 Behinderte in Tirol beschäftigt sein. Es sind allerdings nur knapp 2.400, die einen Job haben. Pro 25 Dienstnehmer muss laut Gesetz ein Behinderter eingestellt werden. Wer das nicht tut, kann sich mit monatlich 209 Euro sozusagen freikaufen.
Viele kaufen sich frei
Auch das Land tut das, sagt SPÖ-Sozialsprecherin Gabi Schiessling:

"Das Land Tirol hat 2006 rund 950.000 Euro an Ausgleichstaxen bezahlt. Ein Drittel davon für den Krankenhausverwalter TILAK, den übrigen Teil für die Landeslehrerschaft."

Für ÖVP-Sozialsprecher Jakob Wolf braucht es außerordentlich viel Bemühen, um Behinderte in die Arbeitswelt zu integrieren. Gerade Tirols Gemeinden sollten seiner Meinung nach hier Vorbild sein.
Etliche Betriebe fördern Behinderte
Positiv ist, dass viele Betriebe in Tirol bewusst Behinderte fördern: etwa der Blumenpark Seidemann in Völs, die Firma Plansee im Außerfern oder auch das Trofana Tyrol im Oberland. Auch Andrea Cammerlander - sie hat in ihren drei Restaurants in Innsbruck und Hall insgesamt sieben Behinderte beschäftigt:

"Grundsätzlich haben wir in den zweieinhalb Jahren, in denen wir mit behinderten Menschen arbeiten, gelernt, dass jeder Mensch unterschiedlich ist und unterschiedliche Fähigkeiten besitzt. Wenn man respektiert, dass jeder Mensch seinen ganz speziellen Wert hat, entsteht die nötige Toleranz."
Grüne fordern mehr Unterstützung
Trotz dieser positiven Beispiele besteht für die grüne Sozialsprecherin Elisabeth Wiesmüller immer noch großer Handlungsbedarf. Sie fordert, dass das Land vor allem jene Sozialvereine stärkt, die behinderten Menschen helfen, sich in der Arbeitswelt zurechtzufinden.

Auf diese Sozialvereine und Initiativen des Landes weist auch Soziallandesrat Hannes Gschwentner (SPÖ) in der Diskussion hin. Er kann der neuerlichen Auseinandersetzung um die Beschäftigung bei Behinderten nichts abgewinnen, wie er sagt.
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