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MI | 11.04.2012
Ausschnitt Kufsteinerlied (Bild: Archiv Egon L. Frauenberger)
VOLKSMUSIK
Streit über Holla-di-ri im Kufsteinerlied
Das rund 60 Jahre alte Kufsteinerlied, genauer gesagt der Jodler, ist im Zentrum einer Gerichtsverhandlung in München gestanden. Ein Musikproduzent stritt mit den Erben des Autors, wer künftig als alleiniger Komponist des Liedes gilt.
Nach dem Urteil gilt Ganzer als alleiniger Textdichter und Komponist des Liedes.
Berühmt durch Jodeleinlage?
Zwei Stunden stritten die Erben des Autors Karl Ganzer gegen den Musikproduzenten Egon Frauenberger. Frauenberger sagte, er habe in den 60er Jahren die Jodeleinlage "Holla-rä-di-ri, di-ri, di-ri" bearbeitet, die dem Lied erst zum Durchbruch verholfen hat. Doch Recht bekam nicht er, sondern die Erben – ab sofort gilt Ganzer wieder als alleiniger Textdichter und Komponist des Lieds, in dem die "Perle Tirols" besungen wird. Doch das Urteil ist nicht rechtskräftig.
Notenblatt Kufsteinerlied (Bild: Archiv Egon L. Frauenberger)
Erst nach dem Tod der Witwe des Autors gelang es dem Produzenten, sich als Bearbeiter anerkennen zu lassen.
Zwölftel der Einnahmen an Produzenten
Seit Jahren kassiert der Produzent Frauenberger ein Zwölftel der GEMA-Einnahmen, nachdem es ihm nach dem Tod von Ganzers Frau Traudl im Jahr 2001 gelungen war, sich als musikalischer Bearbeiter bei der GEMA eintragen zu lassen. Der Vorsitzende Richter Peter Guntz tat sich allerdings schwer mit Frauenbergers Behauptung, wonach das Kufsteinerlied seine Popularität ausgerechnet dem "Holla-rä-di-ri, di-ri, di-ri" zu verdanken habe. Auch, dass Frauenberger über Jahrzehnte einverstanden war, Ganzer als alleinigen Urheber anzusehen, dürfte seine Position am Donnerstag geschwächt haben.
Festung Kufstein (Bild: 3sat) Verschiedene Varianten des Jodlers
Ursprünglich gehe das Kufsteinlied zwar auf Karl Ganzer zurück, sagt auch Frauenberger, aber eben nicht die Jodelei. Das Lied kursiere mit verschiedenen Jodeleinlagen - unter anderem mit dem sogenannten Kuckucksjodler, der seinem Namen entsprechend mit einem "Kuck-kuck, kuck-kuck" beginnt. Heute kenne man das Lied aber mit einem Oktavjodler - das ist der mit dem "Holla-rä-di-ri, di-ri, di-ri".
Wie bei Loriot
Der bizarre Streit erinnere an Loriots Sketch "Jodeldiplom", fand Richter Guntz: "Auch wenn man als Kind mit Loriot sozialisiert wird, würde man nicht denken, dass man sich beruflich mal damit befassen müsste, ob es "dudel-do" oder "dudel-dö" heißt." In dem Sketch lernt Schauspielerin Evelyn Hamann alias Frau Hoppenstedt, dass es "du-dödl-di" heißen muss, um das fiktive Jodeldiplom zu erwerben. Nicht "du-dödl-dö".

Tatsächlich: Wer im Internet nach dem Kufsteinerlied sucht, findet viele verschiedene Interpretationen. Heino, Maria und Margot Hellwig oder Hansi Hinterseer sangen den Ohrwurm - die Trefferlisten lesen sich wie das Who is who einer volkstümlichen Hitparade. Bei Heino klingt der Jodler nach einem "Holla-lei", bei Maria und Margot Hellwig eher nach "Holla-huri". Hansi Hinterseer scheint sich hingegen weitgehend an den klassischen Oktavjodler zu halten.
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