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MI | 11.04.2012
Günther Platter (Bild: ORF Tirol)
POLITIK
Südtirol zu Österreich: Graf will Abstimmung
Der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf (FPÖ) fordert eine Volksabstimmung zur Rückkehr Südtirols zu Österreich. LH Platter (ÖVP) erteilt dieser Forderung eine Absage, LH Durnwalder (SVP) hält sie für unverantwortlich.
Zusammenarbeit zwischen Nord- und Südtirol so gut wie noch nie.
Platter: "Unüberlegte Aussagen"
Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) erteilt Grafs Forderung eine Absage. Graf solle sich vielmehr seiner Verantwortung als Dritter Nationalratspräsident bewusst sein und sich mit solchen unüberlegten und unrealistischen Aussagen zurückhalten.

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Die Grenzen seien schon lange gefallen, so Platter: "Wir leben heute im Herzen eines gemeinsamen Europa." Die Zusammenarbeit zwischen Nord- und Südtirol sei so gut wie noch nie. Zudem habe man gerade im Gedenkjahr 2009 Initiativen gestartet, um die Achse Innsbruck-Bozen weiter zu stärken.
Luis Durnwalder (Bild: APA)
Für Volksabstimmung ist jetzt nicht der richtige Moment.
Durnwalder: Forderung ist unrealistisch
Südtirols Landeshauptmann Luis Durnwalder von der Südtiroler Volkspartei hält die Forderung Martin Grafs in einer ersten Stellungnahme gegenüber ORF Radio Tirol für unrealistisch und unverantwortlich. Eine Verschiebung der Grenzen sei in der heutigen Zeit schlicht nicht möglich.

Auch er wolle keinesfalls auf das Selbstbestimmungsrecht von Südtirol verzichten, so Durnwalder, für eine Volksabstimmung sei jetzt aber nicht der richtige Moment. Sollte es heute eine Volksabstimmung über die Rückkehr Südtirols zu Österreich geben, so glaubt Durnwalder, dass die Mehrheit der Südtiroler für den derzeitigen Status sei und nicht für eine Loslösung von Italien.

Für ein Ja zur Rückkehr zu Österreich bräuchte es wohl einiges an Mobilisierung und Vorbereitungszeit, so Durnwalder.
Martin Graf (Bild: APA/Roland Schlager)
Das Selbstbestimmungsrecht müsse auch für die deutsche Bevölkerung Europas gelten, so Graf.
"Selbstbestimmungsrecht der Völker"
"Südtirol ist ein Teil des gesamten Tirol", so Graf, das derzeit eben italienisches Territorium sei. Dennoch glaube er an das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Er sei der Meinung, dass den Südtirolern seit dem Zuschlag an Italien nach dem Ersten Weltkrieg das Selbstbestimmungsrecht vorenthalten werde. Es sei an der Zeit, die Bevölkerung zu fragen, "ob es ein Tirol geben soll".

Das Selbstbestimmungsrecht müsse auch für die deutsche Bevölkerung Europas gelten, so Graf. Der Präsident verglich gegenüber der "Presse" Italien indirekt mit der DDR zur Zeit des Mauerfalls. Auch im Frühjahr 1989 sei man noch der festen Überzeugung gewesen, dass der Arbeiter- und Bauernstaat nicht mehr zur Bundesrepublik gehöre, sagte er zur "Presse". Im Gegenzug sei das Verhalten des demokratischen Italien gegenüber der deutschen Bevölkerung in Südtirol durchaus mit jenem nichtdemokratischer Staaten vergleichbar.
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