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MI | 11.04.2012
Integration (Bild: Fotolia/LaCatrina)
STUDIE
Integration und Glaube kein Widerspruch
Im Rahmen eines Forschungsprojektes der Universität Innsbruck haben sich Wissenschaftler die Frage gestellt, ob eine fremde Religion die Integration behindert.
Islam wird häufig als Integrationsbarriere gesehen
Studie revidiert Meinungsbild
Ob sich Migranten in Österreich integrieren, hängt bekanntlich von vielen Faktoren ab. Inwieweit aber die Religiosität und Glaubensüberzeugung eine Rolle spielen, war bislang kaum erforscht. Die weit verbreitete Meinung, dass der Islam als Integrationsbarriere und Symbol der Abgrenzung gilt, ist nach dieser Studie zu revidieren.
Forschungsprojekt "Religiosität und Akkulturation"
472 Fragebögen ausgewertet
Im Rahmen des Forschungsprojektes „Religiosität und Akkulturation“ des Instituts für Psychologie der Uni Innsbruck wurden 129 Asylwerber, 107 Menschen mit Migrationshintergrund sowie 136 Österreicher befragt.

„Uns hat interessiert, ob die intensive Ausübung nicht-christlicher, also fremder Religiosität die Integration ins Aufnahmeland verhindert“, sagt Psychologin Tatjana Schnell. Durchgeführt wurde die Untersuchung anhand von differenzierten Fragebögen mit insgesamt 134 Fragen zu neun verschiedenen Themenbereichen.
72 Prozent der Muslimen überzeugt religiös - zwei Drittel der Befragten gut integriert.
Kein Zusammenhang Glaube - Integration
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass keine Zusammenhänge zwischen einer überzeugten Glaubensausübung und Integration bestehen. Von den befragten Migranten mit muslimischem Glauben bezeichnen sich 72 Prozent als überzeugt religiös. Zwei Drittel der befragten Muslime sind gut integriert, so das Ergebnis der Studie. Religiosität ist also kein Hindernis für die Integration.

„In der Auswertung wurden die Ergebnisse zu den unterschiedlichen Themenbereichen miteinander in Beziehung gesetzt. Es hat sich dabei keine Korrelation zwischen der Ausprägung der Religiosität und dem Maß an Integration herausgestellt “, betont Schnell.

Ob sich Migranten integrieren oder separieren hänge vielmehr davon ab, wie hoch der Akkulturationsstress und die Sprachkenntnisse der Betroffenen sind, aber auch die individuelle Persönlichkeit ist demnach ein entscheidender Faktor.
Ausgeprägtes Zugehörigkeitsgefühl zum Islam und Fundamentalismus.
Separation problematisch
Eine problematische Rolle nimmt Religiosität in der Gruppe der in Separation lebenden Muslimen ein. Das Zugehörigkeitsgefühl zum Islam und zum Fundamentalismus sind hier überdurchschnittlich ausgeprägt, sagt Schnell.

„Diese spezifische Gruppe weist mangelnde Sprachkenntnisse auf, erlebt – wohl auch deshalb – die Berufsfindung als besonders schwierig und hat Probleme mit österreichischen Sitten und Gebräuchen“, erklärt die Psychologin.

Die Studie legt hier nahe, der Separation vorzubeugen indem Möglichkeiten der Mitgestaltung und Verantwortungsübernahme in der Gesellschaft geschaffen werden und Muslime in ihrer Religionsausübung nicht einzuschränken.
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