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MI | 11.04.2012
Schweine im schnee (bild: APA)
CHRONIK
Reaktion auf Schweineversuche: "Stoppen!"
Das Schweineexperiment hat eine Welle der Empörung ausgelöst. Tierschutzvereine, Politiker und Privatleute forderten einen sofortigen Abbruch des Projekts. Der Tourismusverband schäumt, der Rektor der Med-Uni verteidigt das Experiment.

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Herbert Lochs (Bild: ORF)
Rektor Lochs: "Ethisch vertretbar".
Auf Patienten umlegbare Erkenntnisse?
Aus dem Rektorat der Med-Uni hieß es, die ethische Vertretbarkeit des Lawinenexperiments mit Schweinen sei gegeben: Das Projekt wurde laut Rektor Herbert Lochs ordungsgemäß eingereicht, von der Tierversuchskommission des Wissenschaftsministeriums genehmigt, die Anlage durch den Tierschutzbeauftragten der Med-Uni für gut befunden.

Das Nachstellen der Verschüttung in Vent biete eine aussgekräftige und für Patienten direkt verwertbare Lösung, weil der Luftdruck in großer Höhe im Labor nicht simuliert werden könne, sagte Studienmitarbeiter Professor Volker Wenzel.
Politik: "Wissenschaft legitimiert nicht alles"
Landesrat Anton Steixner (ÖVP), Tierschutzreferent der Tiroler Landesregierung, hält es für moralisch äußerst bedenklich, Schweine lebend unter Schneemassen zu begraben. "Man muss sich die Frage stellen, ob wissenschaftliche Erkenntnisse ein derartiges Vorgehen rechtfertigen", so Steixner.

Die grüne Naturschutzsprecherin Maria Scheiber fordert den sofortigen Abbruch der Tierversuche in Vent. Auch im Dienste der Wissenschaft könne nicht alles erlaubt sein. Überhaupt nicht nachvollziehbar ist für Scheiber, wie die Tierethikkommission diese Versuche akzeptieren konnte.
Edith Pfausler, Ingrid Felipe, Maria Scheiber (Bild: Grüne)
Grüne gegen Schweineversuche: Imster Bezirkssprecherin Edith Pfausler, Parteichefin Ingrid Felipe und Labg. Maria Scheiber.
Tourismusverband konsterniert
Der örtliche Tourismusverband betont, sich schon im vergangenen August negativ zu der geplanten Studie geäußert zu haben. Die Ötztaler Tourismuswirtschaft lehne diese Forschungsreihe mit Versuchen an lebendigen Schweinen ab.

Bis heute sei man auch nicht über die tatsächliche Umsetzung des Projekts inoformiert worden, hieß es in einer Aussendung des Ötztal Tourismus.
Der Versuch diene einzig der Profilierung einiger Wissenschaftler, kritisieren Tierschützer.
Tierschützer: "Forscher selbst eingraben"
Der Tierschutzverein für Tirol betont, dass es trotz dieser Versuche nicht weniger Lawinentote geben werde. Die Körper von Opfern seien oft genug untersucht worden. Wie die Gedanken von Schweinen funktionieren würden, wisse man nicht. Es sei zu hinterfragen, dass eine Kommission, die solche Versuche genehmige, das Wort Ethik führe, kritisiert der Tierschutzverein für Tirol.

Auch für den Österreichischen Tierschutzverein ist die Sinnlosigkeit des Experiments evident. Er schlägt vor, die Wissenschaftler sollten sich selbst eingraben, ihre Kollegen dürften dann die Ergebnisse auswerten.

Madeleine Petrovic, Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins, sieht in dem Experiment "Barbarei". Die Versuche seien ein Schlag ins Gesicht für jeden seriösen Zugang zur Wissenschaft. Petrovic fragt sich, warum sie als Mitglied des §-13-Beirates Tierversuchsgesetz über das Experiment nicht informiert war, und fordert vom Wissenschaftsministerium Aufklärung, wer es genehmigt habe.
Gefüllte Foren
Auf der tirol.ORF.at-Seite gab es schon wenige Minuten nach dem Erscheinen des Berichts Hunderte überwiegend empörte User-Postings. Allein bis Mittag hatten mehr als 600 User einen Kommentar abgegeben.

Ulrike Finkenstedt, tirol.ORF.at
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