Tirol ORF.at
MI | 11.04.2012
Schweizer Franken (Bild: ORF)
BANKEN
Notbremse bei Fremdwährungskrediten
Der Finanzmarktaufsicht sind die vielen Fremdwährungskredite ein Dorn im Auge. Davon gibt es in Tirol verhältnismäßig viele. Die Banken werden nun angehalten, das hohe ausständige Fremdwährungs-Volumen zu reduzieren.
Der Euro ist derzeit gegenüber dem Franken auf Talfahrt.
Fremdwährungskredit nur in Ausnahmefällen
Einen Fremdwährungskredit soll es für Bankkunden nur mehr in begründeten Ausnahmefällen geben. Wenn ein Kunde beispielsweise ein Franken-Einkommen hat, soll er auch weiter einen Kredit in dieser Währung bekommen - oder er kann eine besonders hohe Bonität vorweisen.
"Es ist ein guter Zeitpunkt, zu einem guten Eurokredit zu kommen", Grubelnik (FMA).
"Bestehende Verträge sind einzuhalten"
Die Banken werden aber von der Finanzmarktaufsicht (FMA) auch aufgefordert, das bestehende hohe Fremdwährungsvolumen frühzeitig und nachhaltig zu reduzieren. Gelingen soll das unter anderem durch attraktive Angebote, die Kunden zum Aus- oder Umstieg bewegen, erklärt der Sprecher der FMA, Klaus Grubelnik, gegenüber tirol.ORF.at.

Er hält aber fest, dass die Banken dennoch bestehende Verträge einzuhalten hätten. Änderungen könnten nur im Einvernehmen mit dem Bankkunden gemacht werden. Und es könne nur dann zu Zwangskonvertierungen kommen, wenn das auch vertraglich vereinbart sei.
Unsicherheit Fremdwährungskredit
Fremdwährungskredite stellen ein höheres Risiko als Euro-Kredite dar. Laut Experten entsteht dieses durch schwankende Wechselkurse und unsichere Erlöse aus den Tilgungsträgern bei endfälligen Krediten.
Alleine in Tirol gibt es etwa 40.000 Fremdwährungskredite.
Gefährdung der Stabilität des Finanzmarktes
Das Volumen an Fremdwährungskrediten ist in Österreich im Vergleich zu anderen EU-Ländern besonders hoch. So lag der österreichische Anteil an Euro-Krediten im EWR-Raum bei drei Prozent. Bei den Fremdwährungskrediten im EWR-Raum macht der österreichische Anteil fast 40 Prozent aus. Das kann ein Problem für die Banken und die Volkswirtschaft werden, wenn die Rückzahlung durch das erhöhte Risiko nicht mehr erfolgen kann, erklärt Grubelnik.

Die Banken hätten zwar meist Hypotheken auf die Häuser. Aber wenn es bedingt durch die höheren Risiken zu Schwierigkeiten kommen sollte, würde in einem Tiroler Dorf im schlimmsten Fall jedes zweite Haus einer Bank gehören, veranschaulicht Grubelnik die Hintergründe mit einem drastischen Beispiel. Das wäre für das Dorf fatal und würde die Immobilienpreise beim Verkauf enorm drücken.
Ein Rundruf bei großen Tiroler Banken.
Banken sind gelassen
Die Hypo Tirol, die Tiroler Sparkasse und die Raiffaisen-Landesbank sagen, sie würden bereits jetzt die Fremdwährungskunden regelmäßig über die Risiken und die aktuellen Kurs- und Zinssätze informieren.

Die Beträge an Fremdwährungskrediten würden sich auch automatisch verringern, weil keine neuen Kredite in fremden Währungen mehr vergeben werden. Zudem gebe es immer wieder Kunden, die von einem Fremdwährungskredit in einen Eurokredit wechseln, oder die von einem endfälligen Kredit umsteigen und ihre Schulden monatlich tilgen.
AK: Prüfen, ob es gute Angebote sind
Die Arbeiterkammer hat Erfahrung in der Betreuung von Kunden mit Fremdwährungskrediten. Viele Menschen hatten sich in der Vergangenheit an die AK gewandt, weil manche Banken massiv Druck gemacht haben, aus dem Fremdwährungskredit auszusteigen oder die Refinanzierungskosten für den Kredit auf die Bankkunden abwälzen wollten.

Zur aktuellen Empfehlung der FMA sagt AK-Experte Andreas Oberlechner, dass es prinzipiell gut sei, mit Konsumenten über einen Ausstieg und die Risiken zu reden. Aber man müsse abwarten, ob diese Angebote auch wirklich gut für die Kunden seien.

Reingard Diermayr, tirol.ORF.at
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