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MI | 11.04.2012
Kriegsheimkehrer Cornelius Rost (Bild: ORF)
GESCHICHTE
Die unglaubliche Flucht eines Kriegsgefangenen
In einem Romanbestseller der 50er Jahre ist die unglaubliche Flucht eines deutschen Kriegsgefangenen aus Sibirien beschrieben. Der Mann flüchtete 14.000 Kilometer zu Fuß. Nun wurde bekannt, dass es sich dabei um einen Kufsteiner handelte.
Buchumschlag "So weit die Füße tragen" (Bild: ORF) Heimkehrer schildert seine Erlebnisse
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren Millionen deutsche und österreichische Soldaten Kriegsgefangene in Russland. Einer von ihnen war Cornelius Rost.

Im Tatsachenroman "So weit die Füße tragen" beschreibt der bayerische Schriftsteller Josef Martin Bauer die unglaubliche Fluchtgeschichte Rosts, der ihm 1955 in langen Interviews von seiner Flucht erzählte.

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Die 14.000 Kilometer lange Flucht von Rost zu Fuß dauerte drei Jahre.
Mehrere Fluchtversuche zuvor gescheitert
Der Mann kam nach seiner Verhaftung in eine Bleimine nach Ostsibirien. Nach mehreren misslungenen Fluchtversuchen konnte der Mann doch entkommen.

Vom Kap Deschnjew im hintersten Sibirien stapfte er durch endlose Schneefelder eines ganzen Kontinents. Von einfachen Russen wurde er immer wieder gerettet und unterstützt. Zwischen Verzweiflung und Durchhalten erreichte er schließlich Teheran und kam 1952 über Ankara wieder nach Hause.

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Erlebnisse von Rost wurden zweimal verfilmt
"So weit die Füße tragen" wurde bisher zweimal verfilmt und berührte Millionen Menschen.
Arthur Dittlmann (Bild: ORF) Bayerischer Journalist fand Originalbänder
Der Journalist Arthur Dittlmann vom Bayerischen Rundfunk in München stieß auf die Originaltonbänder, auf denen der Kufsteiner Rost seine abenteuerliche Geschichte zu Protokoll gab. Stundenlang hatte Rost dem Dichter Bauer seine Version der Fluchtwanderung erzählt.

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Cornelius Rost vor Landkarte
Cornelius Rost Ungereimtheiten nach Recherchen
Nach zwei Jahren intensiver Nachforschungen und Anfragen in Archiven ist für die Sendungsmacher in München klar, dass Rost Kriegsgefangener war. Aber vieles von seinem angeblichen dreijährigen Abenteuer zu Fuß durch die Weiten Russlands dürfte er frei erfunden haben.

Rotes Kreuz kennt Rost nicht
So kenne zum Beispiel das Rote Kreuz keinen Cornelius Rost. Es habe nie eine Anfrage gegeben, wo der Vater, der Onkel nach dem Krieg geblieben sei. Bei einer Kriegsgefangenschaft, die zehn Jahre gedauert habe, sei das sehr ungewöhnlich, so Dittlmann.
Deutsche konnte sich durch die Erlebnisse als Opfer und Helden ansehen.
Schicksal traf Nerv der Zeit
Die Geschichte vom deutschen Soldaten, der vom Schicksal so hart gebeutelt wird, traf dennoch genau den Nerv der Zeit. Das liege vermutlich daran, dass sich die Deutschen durch das Buch und die Verfilmung als Opfer sehen konnten. Es habe einen Soldaten gegeben, der als Held und Opfer aus Russland zurückgekehrt sei. Das habe der Seele der Deutschen gutgetan, meint Dittlmann.
Grabstein Cornelius Rost (Bild: ORF) Letzte Ruhe in Friedhof in München
Rost starb am 18. Oktober 1983. Seine noch lebenden Angehörigen in München wollten sich nicht dazu äußern, warum er die Geschichte als wahres Erlebnis schilderte. Daher nahm Rost dieses Geheimnis mit ins Grab.
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