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MI | 11.04.2012
Piz Val Gronda (Bild: ÖAV)
NATURSCHUTZ
Vorerst kein OK für Piz Val Gronda-Lift
Die Erschließung des Piz Val Gronda in Ischgl steht weiter auf sehr wackeligen Beinen. Aus derzeitiger Sicht sei ein Liftbau aus naturschutzrechtlichen Gründen nicht genehmigungsfähig, heißt es beim Land. Grund dafür sind seltene Pflanzenarten.
Der Mähnen Pippau soll österreichweit nur mehr im Bereich des Piz Val Gronda vorkommen.
Letzte Vorkommen des Mähnen Pippau
War es vor einiger Zeit ein Steinhuhn, das die Erschließung des Piz val Gronda zu verhindern drohte, so sind es jetzt seltene unter Schutz stehende Pflanzenarten. Aus einem Gutachten - erstellt von drei namhaften Wissenschaftern aus Wien - geht hervor, dass exakt im Erschließungsgebiet Pflanzenarten wie etwa der Bacher'sche Löwenzahn oder der Mähnen-Pippau vorkommen - letzterer sogar österreichweit nur mehr dort.

Seitens des Landes wurde das Gutachten, das der Alpenverein in Auftrag gegeben hatte, durch einen Sachverständigen evaluiert. Dabei hat sich herausgestellt, dass die erwähnten Pflanzenarten vor allem im Bereich der geplanten Piste bzw. der zu errichtenden Lawinenverbauungen vorkommen. Aus diesem Grund sei das Projekt aus naturschutzrechtlichen Gründen derzeit nicht genehmigungsfähig, betont der dafür zuständige Landeshauptmannstellvertreter Hannes Gschwentner.

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Alfons Parth (Bild: ORF)
TVB-Obmann Alfons Parth hat wenig Verständnis für die Entscheidung des Landes.
Ischgl will Gegengutachten in Auftrag geben
Negativen Bescheid werde es seitens des Landes vorerst aber noch keinen geben, betont Gschwentner gegenüber ORF Tirol. Das liege daran, dass die Ischgler Seilbahnen ein Gegengutachten diesbezüglich einholen wollen. Deshalb wird das Land einen Antrag der Ischgler auf Fristverlängerung auch genehmigen.

In Ischgl selbst zeigt man wenig Verständnis für die vorläufige Entscheidung des Landes. "Dass Pflanzen, die niemand kennt, wichtiger als die Menschen sind, verstehe ich nicht", betont TVB-Obmann Alfons Parth gegenüber ORF Tirol. In Ischgl seien lediglich drei Prozent der Gemeindefläche verbaut. Die Erschließung sei notwendig , um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben. In das Projekt hat die Seilbahn bereits eine Million Euro gesteckt.

Auf Grund der Schneelage wird dieses Gegengutachten erst im kommenden Jahr erstellt werden können. Somit zieht sich eine entgültige Entscheidung über die Zukunft des Piz val Gronda weiter in die Länge.
Erschließung seit rund 25 Jahren Thema
Der Alpenverein aber auch der Tiroler Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer hatten im Vorfeld an der Erschließung wiederholt Kritik geübt. Der Berg sei ein "natürliches Raritätenkabinett". Zudem würden mit dem Lift lediglich zwei Pistenkilometer zu den bestehenden 235 Kilometern hinzukommen.

Die Diskussion um die Erschließung des Piz Val Gronda erfreut sich in Tirol bereits einer langen Vorgeschichte. Seit 25 Jahren will die Ischgler Silvretta Seilbahn AG einen Lift auf den schweizerisch-österreichischen Grenzberg bauen. Bisher hatte das Vorhaben aber in allen Anläufen schlechte Karten.

Stefan Lindner; tirol.ORF.at
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