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MI | 11.04.2012
Kneissl (Bild: ORF)
WIRTSCHAFT
Konkursverfahren über Kneissl eröffnet
Am Dienstag hat Kneissl-Geschäftsführer Andreas Gebauer nun doch einen Eigenantrag auf Insolvenz eingebracht. Die angekündigte Kapitalspritze Mohamed Al Jabers blieb aus. Der Scheich will Kneissl aber dennoch nicht fallenlassen, wie er betonte.
Konkurs oder - wie erwartet - ein Sanierungsverfahren?
Insolvenz über Unternehmensteile
Betroffen sind laut einer Aussendung des Unternehmens die Kneissl Holding GmbH, die Kneissl Tirol GmbH und die Kneissl Star Lounge GmbH. Nicht betroffen sind die Kneissl Star Resort AG mit Sitz in Wien und die Star Lounge Innsbruck GmbH.

Kneissl-Geschäftsführer Gebauer brachte am Dienstag am Landesgericht Innsbruck den Eigenantrag auf Insolvenz ein. Gebauer begründet den Schritt in einer Aussendung mit der zwar mehrmals zugesagten, aber nicht getätigten Kapitalerhöhung durch Al Jaber.

Das Konkursverfahren wurde am Dienstag beim Landesgericht Innsbruck eröffnet.
Gebauer: "Al Jaber verantwortet Insolvenz"
Mehrheitseigentümer Al Jaber habe die "Insolvenz eines Großteils der Unternehmensgruppe hauptsächlich zu verantworten", hieß es in der Kneissl-Aussendung. Al Jaber habe die Frist für die Einzahlung zur Kapitalerhöhung in Höhe von 1,2 Millionen Euro verstreichen lassen.

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Kapitalerhöhung beschlossen und gezeichnet
Im November 2010 war eine Kapitalerhöhung durch Al Jaber beschlossen und gezeichnet worden. In der Folge habe er mehrere Zahlungsfristen verstreichen lassen, gab das Unternehmen bekannt.
Al Jaber (Bild: ORF) Al Jaber: Lasse Kneissl nicht fallen
In einer ersten Stellungnahme erklärte Al Jaber, Kneissl nicht fallenzulassen. Er sei bereit, die Gesellschaft in einem Sanierungsverfahren zu unterstützen. Die Berater der Al-Jaber-Gruppe hätten vor einer Woche beschlossen, den restlichen Kapitalerhöhungsbetrag vorläufig noch nicht einzubezahlen, da zu viele Fragen über das Verhalten einzelner Kneissl-Gläubiger offen geblieben seien.

Al Jaber will Miteigner nicht voll auszahlen
In der Sache Kneissl sei es für Al Jaber inakzeptabel, vorab den früheren Allein- und nunmehrigen Mitgesellschafter Fritz Unterberger - der den Konkursantrag einbrachte und die Konkurseröffnung betrieb - zu 100 Prozent zu befriedigen, hieß es in der Stellungnahme. Schon dessen diesbezügliche Forderungen hätten bis jetzt die vollständige Einzahlung des Kapitalerhöhungsbetrages unmöglich gemacht.
Gesamtverbindlichkeiten in Millionenhöhe
Laut Kreditschutzverband von 1870 (KSV) belaufen sich die Gesamtverbindlichkeiten der Kneissl Holding auf zirka 6,8 Mio. Euro, wobei darin auch die Verbindlichkeiten gegenüber den verbundenen Unternehmen enthalten sind. Hinzu kommen noch Eventualverbindlichkeiten in der Höhe von rund 13 Mio. Euro im Zusammenhang mit Verpflichtungen gegenüber anderen Gesellschaften. Die Zahlen stammen aus der Bilanz 2009.

Als Aktiva führte der KSV die "Urmarke Kneissl" an, die allerdings an eine Bank verpfändet wurde.
Auch über die beiden anderen Unternehmen - die Kneissl Tirol GmbH und die Kneissl Star Lounge GmbH - wurde das Konkursverfahren eröffnet. Nach Angaben des KSV beliefen sich die Verbindlichkeiten bei der Kneissl Tirol GmbH auf 15 Mio. Euro. Bei der Kneissl Star Lounge GmbH häuften sich Verbindlichkeiten von 1,5 Mio. Euro an. Auch diese Zahlen stammen aus der Bilanz 2009.
Gläubiger sind primär Banken
Bei den bisher betroffenen Gläubigern dürfte es sich laut KSV im Wesentlichen um Banken und eine Beteiligungsgesellschaft des ehemaligen Miteigentümers Unterberger im Zusammenhang mit der Abtretung des Gesellschaftsanteils und Forderungen gegen verbundene Unternehmen handeln.
Kneissl: Ski und Lifestyle
Kneissl Tirol macht nur noch rund ein Drittel seines Umsatzes (2009: neun Mio. Euro) mit Skiern. Das ehemalige Traditionsunternehmen produziert jährlich nur noch 15.000 Paar, davon 10.000 als Auftragsarbeit für die Konkurrenten Elan und Fischer Ski.

Kneissl sieht sich mittlerweile als Lifestyle-Unternehmen. Die Produktpalette reicht von Lederjacken über Fahrräder bis zu Tennisschlägern. Am Standort in Kufstein, wo jedes Jahr 5.000 Paar Ski vom Band laufen, beschäftigt das Unternehmen 28 Mitarbeiter.
Ansprüche gegenüber Al Jaber
Durch die Zeichnung der Kapitalerhöhung hat die Kneissl Holding aber trotz Insolvenz einen rechtlichen Anspruch gegenüber Al Jaber und auf die zugesagten 1,2 Millionen Euro. Das wertet Kneissl-Geschäftsführer Gebauer als kleinen Erfolg.
Kneissl: Eine wechselvolle Geschichte
1919 fertigt Franz Kneissl sen. den ersten Ski Österreichs an. Kneissl Ski wird als Marke angemeldet. Es folgen Jahre des Aufschwungs. In den 60er Jahren wird Weltcup-Sieger Karl Schranz Aushängeschild des Unternehmens.

Erstmals 1980 Konkurs angemeldet
1980 muss Kneissl erstmals Konkurs anmelden.
Das Unternehmen wird mit unterschiedlichen Eigentümern und Investoren weitergeführt.
2003 Kneissl muss wieder Konkurs anmelden.
2003 übernimmt ein Tiroler Bieterkonsortium unter anderem um Fritz Unterberger Kneissl.

Seit 2007 Gebauer Geschäftsführer
2007 wird Andreas Gebauer Geschäftsführer.
2008 wird Mohamed Al Jaber mit 60 Prozent Mehrheitseigentümer.
2010 bringt das Wiener Modelabel Susan Strasser einen Exekutionsantrag ein, ebenso der ehemalige Eigentümer Fritz Unterberger.

Al Jaber plant eine Kapitalerhöhung um 1,2 Mio Euro. Das Geld wird aber nicht überwiesen.
Im Februar 2011 bringt Gebauer Eigenantrag auf Insolvenz ein.
Interesse an Marke Kneissl
Gebauer sagte, dass es nach wie vor großes Interesse an der Marke Kneissl gebe. Konkret handle es sich um eine internationale, auch im Sportbereich tätige Investorengruppe, die den gesamten Bereich weiterführen wolle. Damit wären der Standort Kufstein und der Weiterbestand der Marke gesichert, hieß es seitens der Firma Kneissl.
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