Tirol ORF.at
MI | 11.04.2012
Fleisch (Bild: Fotolia/Carmen Steiner)
ERNÄHRUNG
Tiroler Fleisch: Mehr Nachfrage, wenig Angebot
Immer mehr Tiroler wollen ganz bewusst Fleisch aus Tirol kaufen. Doch nur ein Viertel des hier verkauften Fleisches stammt tatsächlich aus Tirol. Mit Milchkühen verdiene man eben mehr als mit Schlachtvieh, sagen die Tiroler Bauern.
"Konsumpatriotismus" macht sich breit
Der Trend zu heimischen Lebensmitteln steigt stetig. Einer aktuellen Studie des Umweltministeriums zufolge sind 78 Prozent der Befragten bereit, für heimische Lebensmittel, also auch für Fleisch, mehr zu bezahlen. Es herrsche ein regelrechter "Konsumpatriotismus", heißt es. 30 Prozent mehr Konsumenten greifen heute zu heimischen Lebensmitteln als noch vor fünf Jahren, auch wenn es teurer ist.
Metzgermeister Thomas Prem (Bild: ORF) Metzger wollen mehr Tiroler Fleisch verkaufen
Die Tiroler Metzger kennen die Nachfrage nach Tiroler Produkten. "Wir würden sehr gerne mehr Fleisch aus Tirol verkaufen", sagt der Innungsmeister der Metzger Thomas Prem, "aber wir bekommen es nicht. Die Bauern kriegen woanders mehr für ihre Tiere. Wir können da preislich nicht mithalten, weil wir es dem Kunden weiterverrechnen müssten. Die Kunden zahlen gerne ein wenig mehr für gutes Tiroler Fleisch, aber sicher nicht sehr viel mehr."

Etwa drei Viertel des Fleisches, das in Tirol verkauft wird, stammt aus anderen Bundsländern, vorwiegend aus Oberösterreich.
Die Tiroler Bauern setzen auf Zuchtvieh, also auf Milchkühe.
Mindestens 1.000 Euro Verlust
Der Ortsbauernobmann von Schwaz, Franz Geisler, versteht die Metzger, die gerne mehr Fleisch aus Tirol verkaufen würden. "Aber für die Tiroler Bauern rechnet sich das nicht", sagt er, "würde ich eine Kuh zum Schlachten bringen bekomme ich 500 - 600 Euro. Verkaufe ich die gleiche Kuh bei der Viehversteigerung in Rotholz, bekomme ich mindestens 1.500 Euro."
Landwirt Franz Geisler (Bild: ORF)
Der Schwazer Landwirt Franz Geisler hat 70 Stück Zuchtvieh im Stall und das will er auch nicht ändern.
In Tirol ist ein Mastbetrieb, also Rinder rein für die Schlachtung zu halten, nicht möglich.
Bauern sind in der Almwirtschaft verhaftet
Tirol habe darüberhinaus viel zu wenige Weideflächen für einen Mastbetrieb, sagt Geisler. "Wir Tiroler Bauern bringen unsere Tiere im Sommer auf die Alm. Da erspare ich mir vier Monate lang das Futter. Und fett wie im Mastbetrieb werden die Tiere auf der Alm nicht. Da müssen sie ja selber Futter suchen. Schon allein deshalb kann ich mir eine Umstellung von der Milch auf die Mast derzeit nicht vorstellen."
In Tirol werden ca. 200.000 Rinder gehalten. Die Schweine- und Hühnerproduktion findet in Tirol praktisch nicht statt.
Zu wenig Rinder für den Eigenbedarf
Gäbe es aber rein theoretisch die rechnerische Möglichkeit, dass zumindest der Rindfleischbedarf in Tirol gedeckt werden kann? Dem erteilt der Landesveterinärdirektor Josef Kössler eine klare Absage:

"Wir Tiroler brauchen ohne Touristen ca. 47.000 Tonnen Fleisch im Jahr. Würden wir den gesamten Viehbestand schlachten, dann würden wir ein Jahr lang auskommen. Dann hätten wir aber keine Tiere mehr. Das heißt, wir bräuchten den dreifachen Tierbestand, um so etwas anzudenken."
Anton Steixner (Bild: ORF)
Agrarlandesrat Anton Steixner.
Letztlich entscheidet der Kunde
Fleisch aus Tirol auf den Tiroler Markt zu bringen ist auch der Wunsch der Politik. In den letzten Jahren seien viele Bauern auf die Rinderproduktion umgestiegen, sagt Agrarlandesrat Anton Steixner. Der "Jahrling" etwa, Rindfleisch aus Mutter-Kuh-Haltung, werde von den Kunden sehr gut angenommen. Diesen Markt gelte es auszubauen, so Steixner. "Die Kunden müssen den Bauern halt zugestehen, dass sie einfach mehr für das Fleisch zahlen müssen."

Brita Bauer; tirol.ORF.at
Serie zum Thema Ernährung
Wie ist es um die Qualität der Lebensmittel in Tirol bestellt? Diese und andere Fragen zum Thema Ernährung wird tirol.ORF.at in den nächsten Monaten in loser Reihenfolge versuchen zu beantworten. In Kürze Teil III: "Was kann Bio-Fleisch wirklich?"
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