Tirol ORF.at
MI | 11.04.2012
Dekan Franz Neuner (Bild: privat)
RELIGION
Tiroler Pfarrer für Initiative des Ungehorsams
Österreichweit folgen bereits 300 Pfarrer der Initiative "Aufruf zum Ungehorsam". In Tirol sind es bisher zwölf, die damit der katholischen Amtskirche ganz offen die Stirn bieten. Einer von ihnen ist Dekan Franz Neuner aus Breitenwang.
Priester sollen heiraten dürfen
Die "Pfarrer-Initiative" mit dem früheren Wiener Generalvikar Helmut Schüller an der Spitze ruft zum Ungehorsam gegenüber Rom auf.

Er fordert, dass Priester heiraten, Frauen Priesterinnen sein dürfen und, dass Laien predigen sollen. Auch Monate nach der Gründung der Initiative beharrt Schüller unbeirrt auf diesen Forderungen.

Und immer mehr Tiroler Priester schließen sich der Reforminitiative an, wenngleich nicht alle Tiroler in allen Punkten den Forderungen Schüllers zustimmen.
Dekan Franz Neuner im Interview mit tirol.ORF.at.
Herr Dekan Neuner, Freitagfrüh gab es in Tirol nur vereinzelte Pfarrer, die sich dem "Aufruf zum Ungehorsam" ganz offen angeschlossen haben. Mittlerweile sind es zwölf. Gibt es so etwas wie einen Aufbruch?
Ich glaube schon, dass es hier Chancen gibt, dass die verhärteten Strukturen der katholischen Kirche jetzt in den Mittelpunkt gestellt werden. Ja, ich empfinde es als Aufbruch, dass gerade die Pfarrer, die ja die Nöte und Sorgen hautnah miterleben, die Dinge jetzt in die Hand nehmen, die schon lange in der Luft liegen.
Heißt das, Sie spüren einen Reformwillen von der Basis?
Das kann man durchaus so sagen, ja. Es geht einfach um viel. Die Kirche lebt ja von der Erneuerung. Sie muss den Menschen nahe sein und darf zugleich nicht ihre spirituelle Tiefe verlieren. Und uns Pfarrer geht es jetzt primär um die Pfarren und um die Seelsorge. Die Priester werden immer älter. Wie wird es weitergehen, diese Frage brennt.

Dass es für einen Pfarrer einen immer größeren Raum zu betreuen gibt, weil es einfach zu wenige Pfarrer gibt und dass nicht mehr überall zu regelmäßigen Zeiten die Eucharistie gefeiert werden kann, das ist sicher der falsche Weg.
Was fordern Sie konkret? Was wünschen Sie sich von der katholischen Kirche?
Ich wünsche mir, dass die katholische Kirche sich nicht nur mit sich selbst beschäftigt und ihren Blick in die Welt hinein nicht verliert. Wir sind nämlich nicht Kirche nur für uns.

Und ich wünsche mir vor allem, vor jeder Strukturveränderung, dass die Hinwendung zu den Bedürftigen, zu einer gerechteren Welt, das Markenzeichen unserer Kirche ist.
Eine ganz konkrete Forderung der Pfarrerinitiative ist, Frauen zur Priesterweihe zuzulassen und dass der Zölibat fallen soll. Wie stehen Sie dazu?
Ich sehe die Forderungen nach Abschaffung des Zölibats, und dass Frauen zur Priesterweihe zugelassen werden sollen, nicht als vordergründig. Aber Frauen sollten in eine gute Verantwortung in die Kirche mit hereingenommen werden, da muss man dranbleiben. Für mich ist aber die Priesterknappheit nicht zuallererst durch Frauen zu lösen. Es müssen, meiner Meinung nach, neue Formen des Priestertums überlegt werden.
Wie soll das konkret ausschauen?
Ich denke, es darf in unserer Kirche kein Redeverbot geben und zwar auf allen Ebenen, auch darüber, ob der zölibatäre Weg die einzig richtige Form ist. Vielleicht ist beides, Priester mit und ohne Zölibat, denkbar.
Spüren Sie auch ein Reformbedürfnis unter den Gläubigen? Tirol gilt ja als das heilige Land.
Ja, gerade wenn es darum geht, ob Priester verheiratet sein dürfen, erlebe ich viele Christinnen und Christen, die sehr offen sind für Reformüberlegungen.
Für wie groß halten Sie die Chance, dass es wirklich zu Veränderungen innerhalb der Kirche kommt?
Naja, wir sind ja nur eine sehr kleine Reformbewegung weltweit gesehen. Aber es gibt ja auch an anderen Orten viele Menschen, die sich Reformen wünschen. Ich glaube, dass wir einfach noch stärker die Stimme erheben müssen. Je mehr mitmachen, desto besser sind die Chancen. In der Kirche mahlen die Mühlen langsam, aber ich glaube, es ist nicht mehr aufzuhalten.
Wir danken für das Gespräch.
Timo Abel/Brita Bauer; tirol.ORF.at
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