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MI | 11.04.2012
Frau sitzt am Computer (Bild: www.faktori.wuk.at)
BILDUNG
Barrierefrei: Kursleiter können viel lernen
Sprach- oder Computerkurse müssten für alle Menschen zugänglich sein, sind es aber nicht. Manche Teilnehmer stolpern über scheinbar Harmloses wie kleine Schrift, hohes Tempo oder leisen Vortrag. Für Trainer gibt es jetzt eine Spezialausbildung.
Beispiel aus der Praxis.
Leichtverständlich zum Staplerschein
Ein Mann mit Textverständnisproblemen hatte eine Arbeit als Staplerfahrer in Aussicht, alle technischen Fähigkeiten dafür hatte er bereits. Damit er trotz seiner Beeinträchtigung den erforderlichen Staplerschein machen konnte, wurden die Kursunterlagen in Zusammenarbeit mit dem WIFI in "leichtverständlicher Sprache" verfasst. So konnte der Teilnehmer seine für den Job notwendige Qualifizierung bewältigen. Die Kursgebühr wurde vom Bundessozialamt übernommen.
Ohne USB-Stick keine Matura
Eine sehbehinderte Frau wollte für eine berufliche Verbesserung die Matura nachholen. Im Matura-Kurs bat sie den Leiter, die Unterlagen nicht auf Papier, sondern auf einen USB-Stick zu kopieren. Damit hätte ihr das Spracherkennungsprogramm ihres Computers die Unterlagen vorlesen können. Der Kursleiter habe sich aber geweigert, den Lernstoff auf den Stick zu kopieren, der Kurs war somit für die Sehbehinderte nicht zu bewältigen.
Behinderte und nicht-behinderte Ausbildner (Bild: innovia)
Die Kursleiter werden durch Behinderte und Nichtbehinderte unterrichtet - im Tandemverfahren.
innovia Geschäftsführerin Vera Sokol (Bild: innovia)
innovia Geschäftsführerin Vera Sokol.
Vorbereitung auch auf Konfliktsituationen
Sehr oft, berichtet innovia-Geschäftsführerin Vera Sokol, kommt es mit Menschen mit Beeinträchtigungen in Kursen zu Konfliktsituationen: "Es wird geflüstert, Teilnehmer und Kursleiter registrieren die Beeinträchtigung aber wissen nicht, ob und wie man sie ansprechen soll, eine gereizte Stimmung prägt dann den Kurs. Auch darauf werden Kursleiter in der Ausbildung vorbereitet!"

Schwerpunkt der Ausbildung, die im "Tandem-Verfahren" durch einen Behinderten und einen Nichtbehinderten stattfindet, ist es, Kursleitern klarzumachen, welche einfachen Hilfsmittel – z.B. spezielle Tastaturbelegungen für Menschen mit körperlichen Behinderungen - es gibt, wie Schulungsunterlagen zu gestalten sind und wie man mit problematischen Kurssituationen umgeht.
Chancengleichheit muss gewährleistet sein
Sokol verweist auch auf den gesetzlichen Rahmen: Das Behindertengleichstellungsgesetz schreibt vor, dass allgemeine Bildungsangebote niemanden diskriminieren dürften. De facto seien aber nur wenige Weiterbildungsangebote so, dass auch Menschen mit Behinderung oder mit Lernschwierigkeiten sie nützen könnten.

Die Ausbildung "Karriere für alle" beginnt im November 2011 an der innovia Akademie in Innsbruck. Am 21. September gibt es dazu einen Tag der offenen Tür, Beginn ist um 14.00 Uhr.

Ulrike Finkenstedt, tirol.ORF.at
Fortbildung und "Karriere für alle"
Die Ausbildung startet im Herbst, sie richtet sich an Trainer in der Erwachsenenbildung. Leiter von z.B. Sprach-, Computer-, Buchhaltungs- oder Mathematikkursen lernen, Kurse so zu gestalten, dass auch Menschen mit Lernschwierigkeiten oder einer Behinderung ihnen folgen können. Der Kurs findet an der Innsbrucker innovia Akademie statt.
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