Tirol ORF.at
MI | 11.04.2012
Bild: APA/Parigger
Sölden
Neun Tote bei Gondelabsturz
Der Absturz einer Liftgondel hat am Montag im Gletschergebiet oberhalb von Sölden neun Todesopfer und sechs Verletzte gefordert. Drei Gondeln waren betroffen.
Bild: APA/Parigger Sechs Personen verletzt
Als die Rettungskräfte Montagnachmittag bei der Unfallstelle eintrafen, kam für neun Abgestürzte jede Hilfe zu spät, sie waren vermutlich auf der Stelle tot.

Die Verletzten wurden so schnell wie möglich versorgt, sagte Notarzt Alois Schranz. "Es hat insgesamt sechs zum Teil wirklich Schwerstverletzte gegeben. Auffallend an der Situation war die psychische Betroffenheit der nicht unmittelbar Betroffenen, die Leute waren in einer psychisch sehr schweren Ausnahmesituation gewesen. Ich möcht hier betonen, dass wir von Anfang an die Kriseninterventionsteams des Roten Kreuzes mit insgesamt 25 Helfern vor Ort hatten, die die Leute betreuen", betonte Schranz.
Hubschrauber verlor Betonkübel
Das Unglück hatte sich kurz nach 13.00 Uhr im Ötztaler Gletscherskigebiet ereignet.

200 Meter über der Gondelbahn verlor ein Hubschrauber einen Kübel mit 750 Kilogramm flüssigem Beton. Dieser Kübel krachte ersten Angaben zufolge genau auf das Seil der Schwarze-Schneid-1-Bahn auf über 3.300 Meter Seehöhe. Dadurch wurde das Seil vermutlich so stark in Schwingung versetzt, dass sich eine Gondel ausklinkte und rund 15 Meter in die Tiefe stürzte.
Bild: APA/Parigger

Die meisten Todesopfer habe es aber in einer anderen Gondel gegeben, berichten die Einsatzkräfte. Die Passagiere wurden durch die Wucht der Schwingung aus dieser Gondel geschleudert.
Skiklub auf Sommertraining
Die neun Deutschen, die bei dem schweren Seilbahnunglück im Gletscherskigebiet von Sölden starben, kamen aus dem Schwarzwald.

Getötet wurden eine Frau, zwei Männer, vier Mädchen und zwei Buben. Die Kinder waren zwischen elf und 13 Jahre alt. Die Gruppe war zum Sommertraining ihres Skiklubs in die Tiroler Berge gekommen.
Zwölf Hubschrauber im Einsatz
Der Zwischenfall ereignete sich in der Nähe der Bergstation der Schwarze-Schneid-I-Bahn, die den Rettenbach- mit dem Tiefenbachferner verbindet.

Im Einsatz standen mehrere Notärzte, 35 Sanitäter und zwölf Hubschrauber, darunter auch Maschinen der Polizei und des Bundesheeres. Die Bergung der Toten und Verletzten ist inzwischen abgeschlossen.
Vorerhebungen begonnen
Wie es zu dem folgenschweren Unglück kam, interessiert auch das Gericht. Die Vorerhebungen begannen sofort nach Bekanntwerden des Unglücks.
Vorerhebung zu fahrlässiger Tötung
Wer hat Schuld an dem Unglück, bei dem neun Menschen ums Leben kamen? War es menschliches Versagen oder ein technisches Gebrechen?

Wenn auch laut Pressekonferenz alles auf ein technisches Gebrechen hindeutet, so hat die Staatsanwaltschaft dennoch beim Untersuchungsrichter Vorerhebungen wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen und wegen Gemeingefährdung beantragt - wie in solchen Fällen üblich.
Flugunfall-Untersuchungsstelle
Auch Beamte der österreichischen Flugunfall-Untersuchungsstelle sind an Ort und Stelle, um zu eruieren, wie es zu dem tragischen Unglück kommen konnte.
Transport war nicht genehmigungspflichtig
Von einem "tragischen Unglück", das zeige, "wie wichtig es ist, alle Sicherheitsvorkehrungen korrekt einzuhalten", sprach am Montag das Verkehrsministerium.

Lastenflüge seien allerdings nicht genehmigungspflichtig, erklärte Carl Ferrari-Brunnenfeld, Sprecher von Verkehrsminister Hubert Gorbach (BZÖ).

Für den Transport und die ordnungsgemäße Sicherung der Materialien haftet das Unternehmen.
Hotline eingerichtet
Das Land Tirol schaltete Montagnachmittag eine Hotline zur Integrierten Landesleitstelle Tirol. Betroffene können Auskünfte in Zusammenhang mit dem Unglück bekommen.

Die Nummer lautet: 0800-800 502
Unglücksbahn war 2004 Schauplatz für Unfall
Die Seilbahn auf die 3.309 Meter hohe Schwarze Schneid war in jüngster Zeit bereits einmal Schauplatz eines spektakulären Unfalles.

Im vergangenen Jahr hatte sich das Steuerseil mit einer leeren, talwärts fahrenden Gondel verhängt. Die Kabine war nach dem eingeleiteten Notbetrieb der Bahn abgestürzt.

113 Fahrgäste hatten in der Folge aus den stecken gebliebenen Gondeln einzeln - aus bis zu 50 Meter Höhe - abgeseilt werden müssen. Die Rettungsaktion Mitte November hatte mehrere Stunden gedauert. Verletzt wurde damals niemand.
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