|
|
|
|
 |
brixen/wien |
03.11.2005 |
|
|
|
|
Lyriker Gerhard Kofler gestorben
Im Alter von 56 Jahren ist in Wien der aus Brixen in Südtirol stammende Tiroler Autor und Lyriker Gerhard Kofler nach kurzer schwerer Krankheit verstorben. Erinnerungen an den bedeutenden Lyriker.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Von Martin Sailer |
|
|
|
Er mochte die Menschen
Leise und freundlich, so gar nicht das Scheinwerferlicht suchend, in seiner sanften Ironie präzise treffend: Das mögen wohl die ersten Eindrücke sein, die man im Zusammentreffen mit Gerhard Kofler gewann. Bei näherem Kennenlernen zeigte sich, dass diese Art des Auftretens keine Pose war. Denn der sicher auch verletzliche und stille Gerhard Kofler mochte, und das spürte man, die Menschen.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Zweierlei Sprachen
Von ihnen erzählte er oft in seinen Texten, die er in zweierlei Sprachen schrieb: Im Italienischen, das er als seine Muttersprache bezeichnete, und im Deutschen, das er seine Onkelsprache nannte. 13 Gedichtbände hat Gerhard Kofler im Laufe seines Lebens geschrieben, ein reiches Werk.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Vielfach unterschätzt
Aber trotzdem ist der gebürtige Brixner vielfach unterschätzt worden. Anfangs auch angefeindet, da er, der junge Südtiroler, auf Italienisch schrieb und seine Übersetzungen ins Deutsche als Neudichtungen auffasste.
Gerhard Kofler war in seinen Texten auch ein Sänger: Er sei ein Tiroler Autor ebenso wie ein italienischer, Südtiroler und Österreichischer, hat Gerhard Kofler einmal gesagt, für Nationalitätenzuordnungen war er nicht zu haben.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Große Strahlkraft
Ins Englische, Spanische und Slowakische ist Kofler übersetzt worden, seine Strahlkraft war größer, als man vielleicht annehmen mochte. Geschrieben hat er gern im Kaffeehaus, nahe der Stille und doch in geräuschhafter Umgebung. Selbst dort lebend, können wir seine an die Stille rührenden Texte erleben: Spiele der präzisen Beobachtung, der sanften Ironie, des Nachfragens, des unter dem Alltäglichen Entdeckten.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
"Ein Universum"
H. C. Artmann hat Gerhard Kofler genauso ins Italienische übersetzt wie Friederike Mayröcker oder Ernst Jandl, und er übertrug Italienisches auch ins Deutsche - Umberto Saba oder, zuletzt, Domenico Starnones „Via Gemito" im Haymon Verlag. Dort hat er auch etliche seiner Gedichtbände veröffentlicht; erst vor kurzem kam dort sein Gedichtband „Selbstgespräch im Herbst". - Ein Universum, wie man ohne Übertreibung sagen kann.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Was versäumt wurde
Über Dichterposen hat Gerhard Kofler gelächelt, über gelungene Texte anderer sich gefreut. Wie immer es bei Todesfällen ist - man beklagt nicht zuletzt auch das, was an ihnen versäumt wurde. Wie vielen in Österreichs Literatur mag es nun so ergehen.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|