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MI | 11.04.2012
Hubschrauber (BIld: ORF)
kostenexplosion
Kritik: Zu viele Rettungshubschrauber-Einsätze
Rettungshubschrauber-Einsätze würden immer mehr zu einer Goldgrube für Hubschrauberfirmen, kritisiert der Alpenverein. Helikopter würden oft auch dann fliegen, wenn es nicht notwendig sei.
Höchste Rettungshubschrauber-Dichte
Österreich hat europaweit die höchste Rettungshubschrauber-Dichte. 40 Helikopter sind insgesamt im Einsatz. Dabei kostet eine Bergung per Hubschrauber durchschnittlich gut 3.000 Euro. Wer nicht privat versichert ist, muss diesen Flugrettungseinsatz im Gebirge selbst bezahlen.

In Tirol gibt es zurzeit 18 Rettungshubschrauber, vier Maschinen seien in Salzburg fix stationiert. Ganz Bayern verfüge im Vergleich nur über zwölf Helikopter in der Flugrettung, die Schweiz komme mit 20 Geräten aus.

Mittlerweile gebe es immer mehr Einsätze, die keinen Hubschrauber erfordern, kritisiert Robert Renzler, Generalsekretär des Alpenvereins.
Die gesetzliche Lage
Als einen Grund für die Zunahme der Flugeinsätze nannte Renzler die gesetzliche Lage in Österreich: Bergungskosten nach Sportunfällen würden von der Sozialversicherung nicht gedeckt, die Opfer - oder deren private Versicherungen - müssten den Einsatz aus der eigenen Tasche zahlen. Das sei für die Hubschrauberflotten ein gutes Geschäft: Rund 3.000 Euro fielen im Durchschnitt für ein Unfallopfer an.
Politischer Wille für ein Regulativ fehlt
Es fehle der politische Wille für ein Regulativ, kritisierte Renzler. In anderen Ländern wie der Schweiz, Deutschland, Italien oder Frankreich beobachte man eine stabile Kostenentwicklung. In Österreich hingegen verzeichne man Steigerungsraten von über 100 Prozent pro Jahr.

Der Unterschied: In Deutschland würden Pauschalsätze für die Flugrettung bezahlt, in Österreich pro Flugminute - rund 68 Euro - abgerechnet, erläuterte Renzler: "Wir haben eine Idealsituation für die Betreiber von Hubschrauberflotten." Diese Entwicklung müsste aber von den Opfern und deren Versicherungen bezahlt werden.
Umdenkprozess
So komme beispielsweise bei Unfällen auf der Skipiste fast bei allen Verletzten - auch wenn es medizinisch nicht notwendig sei - mittlerweile der Hubschrauber. Oft wären die Patienten mit konventionellen Rettungsmethoden schneller beim Arzt oder im Spital, sagte Renzler.
Pistenunfälle
"Bei Bagatelleinsätzen ist der Hubschrauber allein vom Risiko her nicht gerechtfertigt", verlangte Renzler einen Umdenkprozess. Der Anteil der Pistensportler an den von der Versicherung des OeAV übernommenen Hubschraubereinsätzen liege mit 28 Prozent mittlerweile auf Platz eins der Schadensfälle. Erst an zweiter Stelle kämen die Bergwanderer, gefolgt von den Kletterern.
Klassische Bergrettung "verlilert"
Renzler ortet noch ein weiteres Problem: Die klassische Bergrettung verliere durch das "Hubschrauberunwesen" ihre angestammten Einsatzgebiete und würde finanziell ausgehöhlt. Außerdem mangle es den Rettern im Lauf der Zeit an Erfahrung - dabei würden gerade die am Boden arbeitenden Bergretter in schwierigsten Situationen gebraucht, wenn auf Grund der Wetter- oder Gefahrenlage der Hubschrauber nicht mehr starten kann.
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