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MI | 21.03 | 17:38
"Türken" für Mais?
Für viele Tiroler gehören die Begriffe zur Alltagssprache: Mais bezeichnet man als "Türken", wer im Unterland ein Weißbier mit Cola möchte, bestellt einen "Neger". Aber ist das in Zeiten, in denen politische Korrektheit in der Sprache großgeschrieben wird, noch erlaubt?
Bier, Mais (Bild: ORF)
Begriffe sorgen für Befremden
Rassistische Äußerungen werden in unserer Gesellschaft immer weniger toleriert. Die "kulinarischen" Tiroler Ausdrücke sollen zwar nicht verletzend sein, können allerdings bei Außenstehenden schon für Befremden sorgen.

Natürlich stehe keine böse Absicht dahinter, sagt auch Vedat Gökdemir vom türkisch-islamischen Glaubensverein."Allerdings würde ich mir wünschen, dass die Tiroler auf diese Ausdrücke verzichten." Verwunderung und Befremdung ruft bei Gökdemirs Landsleuten auch der Tiroler Fluch "Kruzitürken" hervor. "Viele fühlen sich dadurch gekränkt."
Historische Wurzeln
Warum Mais in Tirol "Türke" heißt, ist wissenschaftlich nicht erwiesen. Weit verbreitet ist aber die Ansicht, der Name leite sich aus der Tatsache ab, dass die Türken den Mais im 18. Jahrhundert nach Tirol gebracht haben.

Eine zweite Möglichkeit, woher sich der besondere Tiroler Ausdruck für Mais ableitet, stammt aus der Zeit der Türkenbelagerung, denn die Türken hielten sich während dieser Zeit in den Maisfeldern versteckt.
Kein Rassismus
Für Universitätsprofessor Heinrich Neisser, EU-und Türkei-Experte und ehemaliger ÖVP-Politiker, stellen diese Ausdrücke keine Diskriminierung dar. Er hält die Diskussion für überzogen, im kulinarischen Bereich gäbe es einfach bestimmte Begriffe mit traditionellen Wurzeln."Diese Floskeln sind offensichtlich historisch entstanden, ich sehe darin nicht von vornherein Rassismus, " erklärt Neisser.