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MI | 11.04.2012
Ferdinand Obenfeldner (Bild: ORF)
NS-Vergangenheit
Obenfeldner wehrt sich
"Ich war ein kleines Würmchen", sagt der frühere Innsbrucker SPÖ-Vizebürgermeister Ferdinand Obenfeldner zu seiner viel diskutierten Rolle während der Nazi-Zeit. Heute beteuert der 90-jährige SPÖ-Politiker, nie jemanden geschlagen oder erschossen zu haben.
Vorwurf SS-Mitgliedschaft
Seit der Bund Sozialdemokratischer Akademiker (BSA) in seinem Buch behauptete, Obenfeldner sei auch bei der SS gewesen, schwelt ein Konflikt samt Klagsdrohung zwischen den Genossen. Jetzt will Obenfeldner einen weiteren Versuch starten, um sich mit dem BSA zu einigen.
Ferdinand Obenfeldner (Bild: ORF)
Er sei nie bei der SS gewesen, wehrt sich Obenfeldner gegenüber dem ORF. Auch von seiner Mitgliedschaft bei der NSDAP habe er erst 2006 erfahren.
SS-Ansuchen wurde abgelehnt
Zwar habe Obenfeldner 1938 um Aufnahme bei der SS angesucht, dort sei er aber nie aufgenommen worden, offensichtlich verschleppte sich sein Ansuchen. Wohl wegen seiner Herkunft, meint der gebürtige Osttiroler: "Bei der SS musste man den weiter zurückgehenden Ahnennachweis einhalten, diesen Ahnennachweis konnte ich aber nicht erbringen."
Schreiber bei der Gestapo
Fest steht, dass er bei der Gestapo arbeitete, in der Verwaltung, so Obenfeldner.

Dabei habe er einige Leute vor dem KZ bewahren können. Etwa zwei verhaftete Burschen, die illegale Flugblätter in den Hosentaschen hatten, während sie in der Gestapo auf ihr Verhör warteten.
Flugblätter versteckt
"Ich haben damals zu ihnen gesagt, ihr sitzt hier auf Polsterstühlen. Wenn ihr jetzt eure Flugblätter sofort unter den Stühlen versteckt, dann werde ich die Stühle zu Mittag wegräumen. Und das haben wir dann auch so gemacht."
Abschreckung "Reichskristallnacht"
Er sei ein kleines Würmchen in der Nazi-Zeit gewesen, sagt Obenfeldner.

Richtig abgeschreckt habe ihn die von den Nazis so genannte Reichskristallnacht, als auch in Innsbruck Juden verfolgt, geschlagen und ermordet wurden.
"Dabei sind mir die Augen aufgegangen"
"In dieser Nacht waren auch Leute dabei, die ich kannte und die in Innsbruck eine Rolle gespielt haben. Da sind mir dann die Augen aufgegangen, um welche Leute es sich dabei handelt und wie tief die NSDAP in diesen Kreisen verstrickt ist."
Obenfeldner beteuert nie jemanden geschlagen zu haben und im ganzen Krieg kein Gewehr, außer zum Reinigen, in der Hand gehabt zu haben. Heute mit 90 Jahren wäre er froh, wenn endlich Ruhe wäre.
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