Tirol ORF.at
MI | 11.04.2012
Grab von Luca (Bild: APA/Robert Parigger)
Fall Luca
Gutachten bestätigt sexuellen Missbrauch
Ein gerichtsmedizinisches Gutachten hat den Verdacht des sexuellen Missbrauchs im Fall Luca bestätigt. Entsprechende Verletzungen und DNA-Spuren wurden am verstorbenen eineinhalbjährigen Luca-Elias festgestellt.
Entsprechende Verletzungen festgestellt
Im Fall des verstorbenen Eineinhalbjährigen kommen immer neue, schreckliche Details ans Tageslicht. Das jetzt vorliegende, vorläufige gerichtsmedizinische Gutachten weist den sexuellen Missbrauch an Luca nach.

So wurden unter anderem Spermaspuren im Afterbereich festgestellt. Das bestätigt heute der Anwalt der Kindesmutter, Albert Heiss. Aufgrund des Gutachtens komme seine Mandantin, die Mutter des Kleinkindes wohl nicht infrage die Täterin zu sein, schließt der Anwalt aus den beiden Gutachten.
Hauptverdächtiger versucht, Mutter zu belasten
Der Hauptverdächtige habe, so Heiss, von Anfang an seine Aussage den Beweisergebnissen angeglichen. In seiner letzten Stellungnahme habe er versucht, die Mutter von Luca zu belasten. Der Strafrahmen beim Vorwurf des sexuellen Missbrauchs mit Todesfolge erstreckt sich von zehn Jahren bis lebenslänglich.
Luca häufig in ärztlicher Behandlung.
Mutter ging Ursachen nicht nach
"Das Einzige, was man meiner Mandantin vorwerfen kann, ist, dass sie den Ursachen der Verletzungen nicht weiter nachgegangen ist und ihre Erklärungen dafür gefunden hat", meinte Heiss. Die 22-jährige Mutter sei mit ihrem zweiten Kind Luca seit dessen drittem Lebensmonat häufig in ärztlicher Behandlung gewesen.

Nach einem Bruch von Elle und Speiche des Arms vor einigen Wochen, der nicht in Zusammenhang mit dem vorliegenden Fall stehe, habe sich Luca so unauffällig verhalten, dass sie erst nach vier Tagen und auf Anraten der Eltern ihres hauptverdächtigen Lebensgefährten zum Arzt gegangen sei.

Kindesvater Bernhard Haaser habe nie einen Cent Kindergeld für seinen Sohn Luca bezahlt und suche nun sehr die Aufmerksamkeit der Medien. Der Vater des 2003 geborenen ersten Kindes der 22-jährigen Tirolerin sei wegen Raubes verurteilt worden. "Meine Mandantin hat nicht das beste Händchen beim Auswählen ihrer Partner", fasste Heiss zusammen.
Anwalt des Vaters: Weiterhin Verdacht gegen Lucas Mutter
Der Anwalt des Vaters fordert jetzt eine genaue Untersuchung der Rolle von Lucas Mutter. Die Aussage des Rechtsvertreters der 22-Jährigen, laut der seine Mandantin unschuldig sei, stimme nicht, so Georg Zanger gegenüber der APA.

Ein Gutachten bestätige zwar den sexuellen Missbrauch durch einen Mann, die Mutter sei Zanger zufolge allerdings genauso wie ihr Lebensgefährte der Körperverletzung verdächtig.

"Wir wissen jetzt ein Teilpuzzle sehr genau", so der Rechtsvertreter zu dem Ergebnis des am Freitag bekanntgewordenen Gutachtens.

Damit sei zunächst einmal der Verdacht gegen den Lebensgefährten der Mutter bestätigt. Wenn die DNA-Proben mit seinem Sperma überein stimmen, gebe es keine Diskussionen über seine Schuld. "Ich hoffe er wird reden, jetzt wo es feststeht", meinte Zanger.
Verletzungen im Juli festgestellt
Seit März 2007 war die Tirolerin mit dem Montagetischler aus Wien-Schwechat zusammen. Sie hatten einander kennengelernt, als der Wiener eine Küche bei ihr in Achenkirch einbaute. Im Juli 2007 waren Lucas signifikante Verletzungen am Gesäß erstmals aufgetreten.

Das Jugendamt hatte der Mutter daraufhin verboten, ohne Genehmigung zu ihrem Lebenspartner nach Schwechat zu fahren, hatte diese Bestimmung aber am 30. Oktober gelockert. Am 31. Oktober war die 22-Jährige mit ihren beiden Söhnen wieder bei ihrem Lebensgefährten.

Am 3. November starb Luca im Wiener Krankenhaus SMZ Ost an den Folgen eines Gehirnödems. Der Mann sitzt seither in Untersuchungshaft.
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