Tirol ORF.at
MI | 11.04.2012
Bild: ORF
Wissenschaft
Mysteriöser Leichenfund in Tarrenz
Tiroler Archäologen haben in einem Wald bei Tarrenz das Skelett einer jungen Frau aus dem 17. Jahrhundert ausgegraben. Die Bestattung abseits von menschlichen Siedlungen gibt Rätsel auf.
Hobbyforscher gaben Hinweise
Die ersten Hinweise auf das rätselhafte Grab kamen von lokalen Hobbyforschern. Vor kurzem traten dann Ausgräber des Instituts für Archäologie der Universität Innsbruck in Aktion.
"Wir haben im Strader Wald östlich von Tarrenz das Skelett einer weniger als 30 Jahre alten Frau ausgegraben. Eine Münze und andere Fundstücke erlauben eine Datierung ins frühe 17. Jahrhundert", erklärte Grabungsleiter Harald Stadler.
50 Grabbeigaben
Laut dem Archäologen sei ein Grabfund mit rund 50 Beigaben aus dieser Epoche an sich schon etwas Außergewöhnliches, doch würden die ganz besonderen Umstände den Fall geradezu spektakulär machen. "Die Frau lag mit dem Gesicht nach unten. Die Arme waren willkürlich abgewinkelt und der Unterkörper verdreht. So, als wäre sie achtlos in die Grube geworfen worden", berichtete der Wissenschaftler.

Dazu kämmen ungewöhnlich viele und zum Teil seltsame Beifunde. Bei und auf der Toten lagen neben Schnallen, Hafteln und ähnlichem Kleidungszubehör eine Schere, ein Fingerhut, eine Art Täschchen mit vier Schlüsseln und vor allem zahlreiche Schmuckperlen aus verschiedenen Materialien und amulettartige Objekte. Besonders auffällig: Vier walnussgroße, glasierte Keramikperlen und sechs Schröpfköpfe aus Bronze, wie sie damals bei Heilbehandlungen verwendet wurden.
"Die Heilerin vom Strader Wald"
"Wir nennen die Frau 'die Heilerin vom Strader Wald'. Aber noch ist alles ziemlich rätselhaft. Wir wissen nicht, wer sie war, warum man sie hier im Wald verscharrt hat und warum all diese Gegenstände auf der Leiche verstreut wurden", sagte Stadler. Der Archäologe hält eine Tötung mit abergläubisch-rituellem Hintergrund für möglich: "Vielleicht war Angst vor Magie im Spiel."
Opfer einer Hexenjagd?
Vielleicht sei sie auch das Opfer einer Hexenjagd geworden. Möglich erscheint auch ein Verbrechen mit Motiven im persönlich-zwischenmenschlichen Bereich.

Raubmord scheide aus, schließlich hätten die Täter oder der Täter wertvolle Gegenstände zurückgelassen. Die Tote könnte aber auch eine aus der Gemeinschaft Ausgestoßene gewesen sein, oder es besteht ein Zusammenhang mit Krankheit, etwa der Pest.
Ganz Österreich
Tirol News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News