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MI | 11.04.2012
Paul Flora (Bild: ORF)
NACHRUF
Paul Flora ist verstorben
In der Nacht auf Freitag ist in Innsbruck der Tiroler Zeichner Paul Flora verstorben. Tirol verliert mit ihm einen der profiliertesten Künstler und eigenwilligsten Denker des Landes. Flora hätte am 29. Juni seinen 87. Geburtstag gefeiert.
Subtiler Humor und Ironie
Paul Floras Zeichnungen haben keine Erklärung nötig, sie brauchen keine Übersetzung. Sie enthalten viel mehr Schichten, als ein nur flüchtiger Blick erkennen könnte. Mit subtilem Humor und Ironie hat Flora über die Jahrzehnte Themen entwickelt und variiert, etwa den Karneval von Venedig, das Militär und das Theater, das "verwurzelte" Tirolertum, die Raben und andere Naturgeschöpfe.

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Wichtig für Tirols Kunstszene
Was Flora für Tirols Kunstszene getan hat, ist kaum genug zu würdigen. Er war Mitbegründer der Tiroler Landesgalerie im Taxispalais, für die er auch viele aufsehenerregende Ausstellungen kuratierte, und er war Initiator des "Österreichischen Grafikwettbewerbes".

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Paul Flora (Bild: ORF)
3.000 Zeichnungen für "Die Zeit"
International bekannt wurde Flora durch seine Arbeiten für die Wochenzeitung "Die Zeit". Doch die dort regelmäßig abzuliefernden politischen Karikaturen haben ihn nie befriedigt - nach rund 3.000 dieser Zeichnungen, die auch in anderen internationalen Blättern erschienen, zog er sich zurück und konnte sehr ärgerlich werden, wenn man ihn unbedacht in die Schublade des Karikaturisten schob.
In Südtirol geboren
Flora wurde am 29. Juni 1922 in Glurns im Vinschgau in Südtirol geboren. 1927 übersiedelte er mit seiner Familie nach Nordtirol. 1944 wird er zum Kriegsdienst in Italien, Ungarn und der Slowakei eingezogen.

1945 kehrt er nach kurzer US-amerikanischer Gefangenschaft nach Tirol zurück und war seither als freischaffender Künstler in Innsbruck tätig.
Träger zahlreicher Preise
Unter anderem erhielt Flora im Jahr 1948 den Preis der Tiroler Landesregierung, 1959 das Ehrenzeichen des Landes Tirol, 1962 wurde ihm der Berufstitel "Professor" verliehen. Im Jahr 2002 wurde Flora Ehrenbürger der Stadt Innsbruck.
Stellte sich zuletzt gegen die Zerschlagung des Riesenrundgemäldes.
Flora war Entwicklung nicht gleichgültig
Flora war ein Unbequemer. Er war einer, dem die Entwicklung dieses Landes, in dem er lebte, nicht gleichgültig war. Zuletzt stellte er sich gegen die Zerschlagung des Riesenrundgemäldes. Friedrich Dürrenmatt hat über Paul Flora einmal notiert: "In seinem Werk sind Welten untergegangen und wir ahnen, dass auch wir untergehen."
LH Günther Platter würdigt den Verstorbenen
"Mit großer Betroffenheit habe ich vom Tod Paul Floras erfahren. Paul Flora zählte zweifelsohne zu den international berühmtesten Tiroler Künstlern. Er hat mit seiner spitzen Feder nicht nur das Bild von Tirol in der Welt wesentlich mitgeprägt, sondern auch die Tirolerinnen und Tiroler immer wieder selbst angeregt, über sich selbst zu schmunzeln", würdigte LH Günther Platter den Verstorbenen.
LH Luis Durnwalder spricht von einem "ganz Großen seiner Generation".
Würdigungen auch aus Südtirol
Als einen der ganz Großen seiner Generation würdigten Südtirols Landeshauptmann Luis Durnwalder und Kulturlandesrätin Sabina Kasslatter Mur (beide SVP) Paul Flora. Mit dem gebürtigen Glurnser Flora sei einer der bedeutendsten Künstler Tirols verstorben.
Kulturministerin würdigt Flora als melancholischen Künstler.
Schmied spricht von Zeitdokumenten
Kulturministerin Claudia Schmied würdigte Paul Flora als einen melancholischen Künstler, der es wie kaum ein zweiter verstanden haben, Stimmungen wiederzugeben. Seine Karikaturen gehörten zu den außergewöhnlichsten Zeitdokumenten der Gegenwart, so Schmied.
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