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MI | 11.04.2012
Carabinieri (Bild: APA/Hans Klaus Techt)
SÜDTIROL
DNA-Spur könnte Carabiniere-Mord lösen
Ein Mord vor 45 Jahren wird in Südtirol neu aufgerollt: DNA-Spuren auf einem blutigen Taschentuch am Tatort könnten neue Erkenntnisse liefern. Seit Montag ermittelt die Bozner Staatsanwaltschaft wieder in dem Fall.
Mord vor 45 Jahren wird neu aufgerollt.
DNA-Spur auf Taschentuch
Neue Aufschlüsse könnten DNA-Spuren auf einem blutigen Taschentuch des möglichen Täters am Tatort bringen. Neue Erkenntnisse erhofft man sich auch von einer ballistischen Untersuchung. Das berichtet die Südtiroler Tageszeitung "Dolomiten" in ihrer Dienstagsausgabe von einem blutigen Taschentuch. Die damals sichergestellten Beweismittel - die Pistolenkugel und das Taschentuch - wurden nun von der Bozner Staatsanwaltschaft vom zuständigen Gericht in Mailand angefordert.
Durch Kasernenfenster erschossen
45 Jahre ist der Mord am Carabiniere schon her. Vittorio Tiralongo war damals in Mühlwald im Tauferer Ahrntal durch das Fenster der Kaserne erschossen worden. Der Mord wurde den vier "Puschtrer Buam", Siegfried Steger, Josef Forer, Erich Oberleiter und Heinrich Oberlechner, zugeschrieben. Die vier Pustertaler hatten die Bluttat jedoch stets bestritten.
Mögliche Frauengeschichte als Motiv.
Mögliche Tat unter Beamten
Die Aussage von Ex-Carabiniere Bruno Budroni, wonach ein Streit unter den Carabinieri das Mordmotiv gewesen sei, entlastet die "Puschtrer Buam" nun. Konkret behauptet der heute 72-jährige Hotelier, dem damaligen Carabinieri-Kommandanten Giovanni De Lorenzo sei Vittorio Tiralongo wegen einer Frauengeschichte im Wege gewesen.
Befehl vom Kommandanten
Der Mord an Tiralongo soll jedenfalls befohlen worden sein. Auch um einen Vorwand zu haben, um ein oder zwei Südtirol-Aktivisten zu eliminieren und den "Buam" eins auszuwischen. Opfer dieses Befehls könnten dann Luis Amplatz und Jörg Klotz geworden sein. Denn drei Tage nach dem Mord an Tiralongo erschoss der mutmaßlich Geheimagent Christian Kerbler Luis Amplatz auf den Brunner Mahdem und verletzte Georg Klotz schwer.
Staatsanwaltschaft will De Lorenzo ausfindig machen.
Einvernahme von Ex-Carabiniere
Nach der Aussage von Bruno Budroni will der Leitende Staatsanwalt Guido Rispoli nun die Prozessakten aus den 1960-iger Jahren noch einmal untersuchen und Budroni einvernehmen. Die Staatsanwaltschaft will auch versuchen, den ehemaligen Carabinieri-Kommandanten Giovanni De Lorenzo , der nach dem Mord an Tiralongo verschwunden sein soll, ausfindig zu machen.

Südtirols politische Parteien fordern ebenfalls eine Klärung des Mordfalls - und eine Rehabilitierung der "Puschtrer Buam", sollten sie Opfer politischer Justiz geworden sein.
LH Platter fordert rasche Aufklärung
Tirols Landeshauptmann Platter will in diesem Fall Außenminister Michael Spindelegger und dessen italienischen Amtskollegen Franco Frattini kontaktieren. Platter forderte die Begnadigung der drei noch lebenden Männer, die sich damals ins Bundesland Tirol abgesetzt hatten. "Bei einer Schuldlosigkeit muss sich die italienische Justiz entschuldigen, eine vollkommene Rehabilitation stattfinden", sagte er am Dienstag.

Zweifel an der Justiz habe er keinen. Allerdings habe er Zweifel daran, wie die Geschichte damals gewesen sei. Österreich habe die Schutzmachtfunktion für Südtirol. Deshalb dürfe "nichts unterbunden, sondern Rechtmäßigkeit gesprochen werden", bekräftigte der Landeshauptmann. Platter forderte eine "rasche Neuaufnahme des Verfahrens und die lückenlose Aufklärung".
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