Tirol ORF.at
MI | 11.04.2012
Bischof Scheuer (Bild: Stocker/Diözese Innsbruck)
MANFRED SCHEUER
Bischof: "Wenig Interesse an NS-Opfern"
Ein schwaches Interesse an Opfern des Nationalsozialismus in Tirol ortet der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer. Der Bischof erinnerte an einige fast vergessene Opfer aus Tirol.
Neururer die einzige Ausnahme
Das Interesse an den Tiroler Verfolgten, Opfern und Märtyrern des Nationalsozialismus sei im Land schwach und lasse zu wünschen übrig. Eine Ausnahme bilde lediglich das Gedenken an Otto Neururer. Insgesamt sei eine stärkere Erinnerungskultur notwendig, sagte Scheuer beim Symposion "Martyrium als religiös-politische Herausforderung" in Telfs.

Scheuer erinnerte in einem Vortrag über die Tiroler Opfer des Nationalsozialismus an die jüdischen Geschäftsleute Wilhelm Bauer, Richard Graubart und Richard Berger. Sie wurden in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 ermordet. Und er erinnerte er an die Juden Ilse Brüll, Rudolf Gomperz, Jenny und Robert Plohn sowie Siegfried Silberstein, die im KZ bzw. auf einem Judentransport gewaltsam umkamen. Auch der 369 Ermordeten des NS-Euthanasieprogramms aus Pflegeinrichtungen Tirols gedachte Scheuer.
Sillian
Gedenken an Rosa Stallbaumer gewünscht
Dass es in Sillian in Osttirol, keinerlei Gedenken an Rosa Stallbaumer gebe und jüngere Generationen nicht mehr wissen, dass aus ihrem Dorf jemand im KZ umgekommen ist, bedauerte Scheuer. Stallbauer starb 1942 im KZ Dachau, Todesursache unbekannt. Sie hatte zwei jüdischen Wiener Familien zur Flucht über die Grenze nach Italien verholfen und war deshalb verhaftet worden.

Die geistliche Schwester Angela Autsch nannte der Bischof "Engel in der Hölle". Autsch hatte sehr rasch den Vernichtungswillen der Nationalsozialisten gegenüber der Kirche erkannt und sich der Auflösung des Klosters in Mötz widersetzt. Sie wurde verhaftet und starb 1944 bei einem Luftangriff auf das SS-Lazarett Auschwitz. Zuvor sei sie im KZ zum "Engel von Auschwitz" geworden.
Bischof Scheuer (Bild: Stocker/Diözese Innsbruck)
Wattens
Gedenken an Jakob Gapp "verbessern"
Den 1996 mit dem Götzner Pfarrer Otto Neururer (1940 im KZ ermordet) selig gesprochenen Pater Jakob Gapp aus Wattens würdigte Scheuer als "Märtyrer der Wahrheit". Gapp wurde 1943 enthauptet. Es gelte, das Gedenken an ihn in Wattens deutlich zu verbessern.

Der Innsbrucker Provikar Carl Lampert (hingerichtet 1944) wiederum sei ein Kämpfer für Recht und Gerechtigkeit gewesen. Scheuer erinnerte auch an den Jesuitenpater Johann Steinmayr (enthauptet 1944) und an Palottinerpater Franz Reinisch (enthauptet 1942).
Karl Mayr aus Innsbruck,
Walter Krajnz aus Steinach,
Josef Zotz aus Musau-Pinswang
Drei unbekannte Opfer
Der Bischof nannte schließlich drei Opfer des Nationalsozialismus aus Tirol, die im öffentlichen Gedenken kaum bis gar nicht aufscheinen. Dies gelte für Oberforstwart Karl Mayr aus Innsbruck-Wilten, der 1940 im KZ Sachsenhaus sterben musste. Er hatte sich geweigert, seine Kinder der Hitlerjugend beitreten zu lassen.

Walter Krajnz aus Steinach am Brenner habe sich geweigert, als Soldat der Deutschen Wehrmacht in Frankreich, Geiseln zu erschießen. 1944 sei er deshalb in Avignon erschossen worden.

Als Dritten nannte Bischof Scheuer Josef Zotz, Pfarrer in Landeck, gebürtig aus Musau-Pinswang bei Reutte. Habe habe angeblich einem Fahnenflüchtigen eine Reichsmark als Unterstützung gegeben. 1941 sei er im Weißensee bei Füssen "unter mysteriösen Umständen ertrunken".
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