Tirol ORF.at
MI | 11.04.2012
Aufnahme Lungenkrebs (Bild: ORF)
MEDIZIN
Meilenstein im Kampf gegen Lungenkrebs
Die Innsbrucker Universitätsklinik wartet mit einer neuen Behandlungsmethode bei Lungenkrebs auf. Der Tumor wird mit neuen Medikamenten regelrecht "ausgehungert". Mediziner sprechen von einem Meilenstein.
In Tirol erkranken jährlich 400 Menschen an Lungenkrebs.
Chemotherapie mit Nebenwirkungen
Der Lungenkrebs zähle zu den bösartigsten Tumorerkrankungen, sagte Wolfgang Hilbe, Onkologe an der Innsbrucker Klinik. Im Vorfeld gebe es so gut wie keine Symptome, bei der Erstdiagnose sei es dann meist zu spät.

In Tirol erkranken jährlich 400 Menschen an Lungenkrebs. Noch vor kurzer Zeit gab es für diese Patienten nur die standardisierte Chemotherapie, oft mit gravierenden Nebenwirkungen.
Wolfgang Hilbe, Onkologe (Bild: ORF)
Bild: Wolfgang Hilbe
Kombinationstherapie entwickelt
Jetzt haben die Mediziner eine völlig neue Strategie gegen den Lungentumor entwickelt. "Wir haben in den letzten fünf Jahren zwei Mechanismen entwickelt. Einmal geht es darum, die Wachstumssignale, die ein Tumor zum Wachsen braucht, zu blockieren. Dazu müssen Tabletten genommen werden", erklärte Hilbe.

"Die zweite Strategie, die wir entwickelt haben, ist, dass wir dem Tumor, der ein Gefäß braucht, um Nährstoffe und Sauerstoff zu bekommen, mit einem Gefäßblocker die Gefäßversorgung wegnehmen."
Minimale Nebenwirkungen
Mit dieser Kombination - Wachstumsblocker und Gefäßblocker - gelinge es, den Tumor gewissermaßen auszuhungern. Die Nebenwirkungen seien minimal, so Hilbe.

Dieses Element ist nicht mehr verfügbar

Methode für 30 Prozent der Patienten
Von dieser schonenden Kombinationstherapie profitieren allerdings nicht alle Patienten. Der Erfolg hängt von der Art der Tumorzelle ab, und dazu bedarf es einer eigenen molekularen Diagnostik am Institut für Pathologie.

Mit modernsten Geräten ist es nicht nur möglich festzustellen, ob es sich um einen gut- oder bösartigen Tumor handelt, sondern auch, ob der Tumor auf die neuen Medikamente anspricht oder nicht.
Chronifizierung der Tumorerkrankung
Etwa 30 Prozent der Lungenkrebspatienten könnten mit der neuen Therapie behandelt, aber nicht unbedingt auch geheilt werden, sagte Hilbe: "Wir reden hier von einer Chronifizierung der Tumorerkrankung. Die Erkrankung wird zu einer chronischen Erkrankung wie bei Diabetes oder Bluthochdruck."

Weiteres Forschungsziel der Innsbrucker Onkologen ist es nun, Medikamente zu entwickeln, um in naher Zukunft alle Lungenkrebspatienten damit behandeln zu können.
Ganz Österreich
Tirol News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News