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MI | 11.04.2012
Hilde Zach (Bild: Martin Vandory)
LEUTE
Hilde Zach - ein Leben für Innsbruck
Nach acht Jahren hat sich Hilde Zach als Innsbrucker Bürgermeisterin verabschiedet. Sie zieht sich ins Privatleben zurück. In der Zeit als Politikerin setzte Zach Innsbruck ihren Stempel auf.
Als resolute Geschäftsfrau bekannt geworden
Bekannt ist Hilde Zach vielen Tirolern durch ihre Arbeit in der Innsbrucker Markthalle. Die gebürtige Hallerin und Tochter einer Metzgerfamilie führte dort jahrelang den Betrieb "Zach am Markt". Anfang der 90er Jahre wurde die resolute Geschäftsfrau Wirtschaftsbundchefin in Innsbruck.
Hilde Zach (Bild: APA/Bernhard Grossruck) Eigene Liste "Für Innsbruck" mit Van Staa
Zachs Aufstieg in der Politik erfolgte an der Seite des Parteirebellen Herwig van Staa, der 1994 gegen heftigste Widerstände der Stadt-ÖVP mit einer eigenen Liste - "Für Innsbruck" - angetreten war. Van Staa wurde damals Bürgermeister, Wirtschaftsbündlerin Zach amtsführende Stadträtin.

Seit der Gemeinderatswahl 2000 war sie 1. Bürgermeister-Stellvertreterin mit den Ressorts Kultur, Erziehung, Bildung und Gesellschaft, Frauen, Familien und Senioren, Kinder- und Jugendförderung.
Zach strich Kulturförderungen zusammen.
Heftige Proteste aus der Kulturszene
Gleich zu Beginn ihrer Amtszeit strich Kulturreferentin Zach rigoros die Kulturvereinsförderungen. Sparmaßnahmen in der Stadt machten diesen Schritt notwendig, begründete Zach ihr Vorgehen damals. Heftige Proteste, vor allem vom Innsbrucker Kulturveranstalter und Treibhaus-Chef Norbert Pleifer, waren die Folge.
Erste Frau an der Spitze einer Landeshauptstadt.
"Wilde Hilde" wird 2002 Bürgermeisterin
Als Herwig van Staa Wendelin Weingartner als Chef der Tiroler Landesregierung ablöste und Landeshauptmann wurde, wurde Hilde Zach 2002 Innsbrucker Bürgermeisterin. Hilde Zach - mittlerweile mit Beinamen "Wilde Hilde" - war damit die erste Frau an der Spitze einer Landeshauptstadt.
Hilde Zach wird als Bürgermeisterin von Herwig van Staa angelobt (Bild: APA/Robert Parigger)
Große Projekte während ihrer Amtszeit
Nach acht Jahren als Innsbrucker Bürgermeisterin kann Zach auf zahlreiche große Projekte zurückblicken, die sie in ihrer Amtszeit umsetzte. Die zum Teil heftige Kritik von Bürgerbewegungen und politischen Gegnern ließen sie dabei von ihrem Weg nicht abgehen - sie zog die Projekte durch.
Im "Notrechtsweg" veranlasste Zach den Transfer der 121,7 Mio Euro zur Raiffeisenkasse.
Abzug der Bawag-Millionen im Notrechtsweg
Für viel Aufsehen sorgte Zach 2006 mit ihrer Entscheidung, die bei der Bawag veranlagten Vorsorgegelder der Stadt abzuziehen. Durch den Bawag-Skandal sei ihr die Sorge um das Geld zu groß geworden. Daher habe sie zum Notrecht gegriffen, rechtfertigte sie ihr Vorgehen damals.

Über 121 Mio. Euro für Pensionsvorsorge
Es ging dabei um 121,7 Millionen Euro, die aus dem Verkauf von IKB-Anteilen an die TIWAG stammen und der Pensionsvorsorge für die Mitarbeiter der Innsbrucker Kommunalbetriebe dienen.
Hungerburgbahn (Bild: inPublic) Prestige-Projekt Hungerburgbahn
Vor allem der Bau der neuen Hungerburgbahn - von Gegnern auch "Grottenbahn" genannt - brachte ihr harsche Kritik ein. Nach zwei Jahren Bauzeit wurde im Dezember 2007 die neue Hungerburgbahn - entworfen von der Stararchitektin Zaha Hadid - eröffnet.
Hungerburgbahn (Bild: ORF)
2006 erneut die relative Mehrheit erreicht
Bei der Wahl im April 2006 trat Hilde Zach als Bürgermeister-Kandidatin an und schaffte mit der Liste "Hilde Zach - Für Innsbruck" erneut die relative Mehrheit. 26,8 Prozent der Stimmen entfielen auf ihre Liste - trotz hoher Stimmenverluste konnte sie das Amt des Bürgermeisters verteidigen.
Hilde Zach (Bild: APA/ Robert Parigger)
Euro-Fahne (Bild: platzermedia) Zach drückte Innsbruck ihren Stempel auf
Hilde Zach musste sich immer gegen hartäckige Kritiker durchsetzen: beim Bau der Autobahn-Anschlussstelle Innsbruck-Mitte, beim Bau des neuen Stadtteils am Areal des ehemaligen Tivoli-Fußballstadions, die Fußall EURO '08 - auch die Anschaffung neuer Straßenbahnen für Innsbruck war nicht unumstritten.
Neue Straßenbahnen für 55 Mio. Euro
Insgesamt 22 Niederflurfahrzeuge wurden angeschafft, um in Innsbruck und auf der Stubaitallinie die alten Bahnen zu ersetzen. Für Innsbruck bedeutete das 29 Millionen Euro an Kosten.
Tram neu und alt (Bild: IVB)
Letzter Höhepunkt - Kaufhaus Tyrol
Zum Abschlus ihrer politischen Karriere konnte Zach noch einen weiteren städtebaulichen Höhepunkt verbuchen. Vergangene Woche eröffnete sie mit Rene Benko das Kaufhaus Tyrol. Die Fassade wurde von dem britischen Architekten David Chipperfield gestaltet und stieß bei der Bevölkerung zum Teil auf heftigen Widerstand. Kritiker befürchten durch das neue Kaufhaus Tyrol unter anderem ein Verkehrschaos.
Kaufhaus Tyrol (Bild: APA/Robert Parigger)
Christine Oppitz-Plörer (Bild: Stadt Innsbruck) Christine Oppitz-Plörer löst Hilde Zach ab
Am Montag macht Hilde Zach den Weg frei für Christine Oppitz-Plörer als neues Innsbrucker Stadtoberhaupt. Die 41-Jährige löst Hilde Zach ab, die sich aus gesundheitlichen Gründen aus der Stadtpolitik zurückzieht. Zur Favoritin für die Zach-Nachfolge wurde die Innsbruckerin erst Mitte 2009, als damals Christoph Platzgummer nach Bekanntwerden der Fußball-EM-Finanzen das Handtuch warf.

Innsbruck bleibt damit unter weiblicher Führung. Bisher war Oppitz-Plörer zweite Bürgermeister-Stellvertreterin.
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