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MI | 11.04.2012
Werner Königshofer (Bild: ORF)
POLITIK
Empörung über Königshofer-Entgleisung
Eine erneute verbale Entgleisung des Tiroler FPÖ-Nationalrats Werner Königshofer löst Kritik aus. Selbst in den eigenen Reihen stößt die Wortwahl auf Missbilligung. Bundeskanzler Faymann ist entsetzt.
"Warme Brüder" und "Klosterschwuchteln"
Köngishofer reagierte mit deftigen Worten auf die Kritik von Kardinal Christoph Schönborn auf FPÖ-Präsidentschaftskandidatin Barbara Rosenkranz. Diese Kritik stehe dem Kardinal nicht zu, meinte Königshofer gegenüber der APA. In einem offenen Brief erklärte er mit deftigen Worten weshalb:

"Als Katholik halte ich Ihre Einmischung in den angehenden Bundespräsidentenwahlkampf nicht nur für unzulässig sondern auch für peinlich und beschämend", heißt es in dem Brief. Weiters schreibt Königshofer: "Gerade jetzt, wo unzählige Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche an das Tageslicht kommen, sollten Sie sich besser um ihre 'warmen Brüder', Klosterschwuchteln und Kinderschänder kümmern, statt eine 10-fache Mutter verbal anzugreifen, die ihre Kinder behütet, beschützt und zu anständigen Menschen erzogen hat."
Kardinal Christoph Schönborn (Bild: APA/Helmut Fohringer) Schönborn: "Nicht wählbar"
Schönborn hatte sich am Freitag von Rosenkranz distanziert. "Wenn sich jemand für ein hohes Amt in diesem Land bewirbt und in der Frage des NS-Verbotsgesetzes oder in der Frage der Schoah einen Spielraum offenlässt, dann ist so jemand für mich persönlich nicht wählbar", hatte er bei einer Pressekonferenz gesagt.
Werner Faymann (Bild: ORF) Bundeskanzler ist "entsetzt"
"Es ist beschämend, dass sich ein Mitglied einer demokratisch gewählten Partei und Abgeordneter des Nationalrats in einer derartig menschenverachtenden Diktion öffentlich äußert", wird Bundeskanzler Werner Faymann in einer Aussendung zitiert. Derartige Beschimpfungen seien nicht im Sinne eines modernen, sozialen Österreichs. Sie würden ein weiteres Mal zeigen, welche politische Gesinnung die Freiheitlichen Funktionäre hätten.
Gerald Hauser (Bild: FPÖ Tirol)
Distanziert sich von der Art der Kritik - FPÖ-Chef Gerald Hauser.
Kritik aus den eigenen Reihen
Die Art und Weise, wie Königshofer auf Schönborn reagiert, stößt in der eigenen Partei auf wenig Gegenliebe. Landesparteiobmann Gerald Hauser etwa sagte gegenüber tirol.ORF.at: "Der Ton macht die Musik, und das ist schlechte Musik. Das stört mich schon länger."

Rein inhaltlich sehe auch er, Hauser, angesichts der zahlreichen Missbrauchsfälle innerkirchlichen Handlungsbedarf. Er ist aber zuversichtlich, dass die Kirchenführung in Österreich die richtigen Maßnahmen treffen werde.
"Völlig im Ton vergriffen"
Die Kritik des FPÖ-Nationalratsabgeordneten Werner Königshofer an den innerkirchlichen Missständen sei angesichts der Vielzahl von Missbrauchsfällen sicherlich verständlich, meinte am Dienstag FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl in einer Aussendung. Königshofer habe sich aber in seinem offenen Brief an Kardinal Schönborn zweifellos völlig im Ton vergriffen.
Neugebauer: "Unwürdig"
Der Zweite Nationalratspräsident Fritz Neugebauer (ÖVP) hat die verbalen Entgleisungen des FPÖ-Abgeordneten Werner Königshofer "schärfstens" verurteilt. "Derartige Worte sind eines demokratisch gewählten Vertreters unwürdig", so Neugebauer.
Verbal bewusst überzogen
Der Mandatar verteidigte gegenüber der APA seine Ausdrucksweise: "Sonst schreibt's ja nichts darüber. Man meint es nicht so deftig, aber er soll sich ein bissl zurückhalten und über Dinge in seinem Bereich nachdenken und sich nicht dort einmischen." Schließlich gebe es eine Trennung zwischen Kirche und Staat, so Königshofer.
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