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MI | 11.04.2012
Universitäts-Klinik Innsbruck (Bild: TILAK)
KLINIK
Kritik an "Maulkorberlass" an Klinik
Ein Schreiben der TILAK und Med-Uni-Führung an die Mitarbeiter sorgt für Kritik. Der Weisung zufolge müssen alle Medienanfragen an die Pressestelle gemeldet werden. Die Grünen sprechen von einem "Maulkorb" für Mitarbeiter.
Klinik-Mitarbeiter: Alle Anfragen weiterleiten
Der Auftrag in dem Schreiben an alle Mitarbeiter ist klar: "Anfragen von Medien zu Fragen der Patientenversorgung und zu klinikinternen Vorgängen jedweder Art sind unverzüglich an die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit weiterzuleiten", heißt es in dem Schreiben der Chefs der TILAK, der Medizinischen Universität und der Landesklinik/Uni Klinik. "Medienanfragen, die ausschließlich universitäre Belange (Forschung und Lehre) betreffen, sind unverzüglich an das Rektorat der Medizinischen Universität Innsbruck weiterzuleiten."
Georg Willi (Bild: Die Grünen) Grüne: "Totalitäres Regime"
Der Klubobmann der Grünen, Georg Willi, brachte das Schreiben an die Öffentlichkeit. "Es zeigt, dass die Führung der Klinik und die Medizinische Universität Angst haben", sagt er. Man wolle nicht, dass Kritik - die es auch gebe neben vielem Guten - nach außen dringe.

Die Hintergründe für die Anweisung sieht Willi auch in der kritischen Berichterstattung: "Zu sehen, dass an der Kinderklinik, der Urologie oder der HNO viel nicht funktioniert, ist nicht angenehm. Dessen wird man aber nicht Herr, wenn man den Deckel drauf gibt und so tut, als ob alles eitel Wonne wäre."
24-Stunden-Hotline für Journalisten
Besondere Kritik Willis bezieht sich auch darauf, dass eine 24 Stunden-Hotline für Journalisten eingerichtet wurde, für Patientenanliegen es aber keine 24-Stunden-Anlaufstelle gebe.
TILAK: Es geht um "offene Informationspolitik"
TILAK-Vorsteher Andreas Steiner weist die Vorwürfe der Grünen zurück. Die Anweisung sei nicht dazu da, Mitarbeiter mundtot zu machen. Er räumt aber ein, dass eine Nicht-Beachtung auch Folgen haben könnte. "Die Grundlage, dass man disziplinarrechtlich etwas tun kann, ist durch das Schreiben geschaffen. Es geht uns aber nicht darum, Mitarbeiter zu kriminalisieren." Man wolle, dass die richtigen Leute Stellung nehmen würden.
Med Uni: Regelung wie in anderen Firmen
Der Rektor der Medizinischen Universität, Herbert Lochs, verweist darauf, dass die Öffentlichkeitsarbeit in vielen großen Betrieben so gehandhabt werde. "Wenn Sie in einer Firma angestellt sind und ohne Rücksprache mit der Firmenleitung ein Radio- oder Fernsehteam in die Firma holen, werden sie unter Umständen entlassen", erklärt er.
Betriebsrat: "Recht auf Meinungsfreiheit"
Dem Betriebsrat des wissenschaftlichen Personals geht die Weisung zu weit: Er will prüfen lassen, ob nicht die Meinungsfreiheit dadurch beschnitten werde.
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