Tirol ORF.at
MI | 11.04.2012
Lawinenschaufel (Bild: Walter Würtl)
ALPINER NOTFALL
Ein richtiges Biwak bauen in sechs Schritten
Die vier Alpinisten vom Großvenediger verdanken ihr Überleben auch einem richtigen Biwak. So ein Notquartier aus Schnee ist für jedermann leicht zu bauen. Im Notfall kann es Leben retten.
Das Panzerknacker-Iglu
Es kann auch bei geringer Schneehöhe und schlechtem Schnee in weniger als einer Stunde errichtet werden. Man benötigt dafür Schaufel und Sonde, Rucksack und Biwaksack. Der richtige Ort ist eine windberuhigte, schneereiche Stelle.
Biwak bauen (Bild: Walter Würtl)
1.) Zuerst tritt man mit den Schuhen einen runden Platz in der Größe des Iglu fest.
Biwak bauen (Bild: Walter Würtl)
2.) Die Rucksäcke steckt man in einen Biwaksack, legt das Bündel in die Mitte des festgetretenen Platzes und überhäuft es mit Schnee von außerhalb der Grundfläche. Alles festtreten und mit der Schaufel festklopfen.
Biwak bauen (Bild: Walter Würtl)
3.) Den Schneehügel weiter vergrößern, dafür Schnee von der Seite weiter aufhäufen und festklopfen, damit der Haufen fest und kompakt wird. Diesen Vorgang so oft wiederholen, bis der Hügel so groß ist, dass er ausgehöhlt für die ganze Gruppe Platz bietet.
Biwak bauen (Bild: Walter Würtl)
4.) Mit der Sonde nach dem Rucksackbündel suchen.
Biwak bauen (Bild: Walter Würtl)
5.) Von unten gräbt man einen Tunnel zu den Rucksäcken und zieht diese über den schmalen Eingangstunnel heraus („Der Panzer wird geknackt“). Das Eingangsloch soll recht tief sein - jedenfalls tiefer als der Boden im Igluinneren – damit später die kalte bodennahe Luft darüber abfließen kann.
Biwak bauen (Bild: Walter Würtl)
6.) Jetzt wird der Iglu, beginnend von der kleinen Rucksackhöhle, nach und nach weiter ausgehöhlt, bis alle „Panzerknacker“ Platz haben. Achtung: Von innen nicht zu sehr an die Oberfläche graben, weil das Schneehaus sonst einstürzen kann.
Walter Würtl, Fachreferent für Lawinenkunde im Österreichischen Bergrettungsdienst. Bild: Gerald Lehner - bergrettung.at
Alpinwissenschafter Walter Würtl vom Alpenverein.
Verhalten und Tipps
Das LVS-Gerät bleibt die ganze Zeit über am Körper und eingeschaltet. Wer wild drauflosgrabt und schaufelt, kühlt hinterher schneller aus.

Der Alpinwissenschafter, Bergführer, Autor zahlreicher Fachartikel Walter Würtl vom Alpenverein rät dazu, bedächtig vorzugehen, auch, damit Plastikschaufeln nicht brechen. Ein trockenes Leibchen für später aufbewahren. Da Unterkühlung die größte Gefahr darstellt, alle isolierenden Gegenstände (Biwaksack, Windjacken, Alu-Rettungsdecke) um den Körper wickeln bzw. hineinschlüpfen.

Ungeahnte Motivationsquelle
Würtl hält außerdem eine Kerze für sehr hilfreich, da sie Psyche und Moral in der äußerst belastenden Situation eines Notbiwaks auf unglaubliche Weise stärke. Die Temperatur im Panzerknacker-Iglu betrage zwischen null und fünf Grad. Durch die Kerze schmilze weder der Schnee noch gelange zuviel CO2 in die Luft. Denn wenn die Höhle nicht ganz abgeriegelt ist, fließt das CO2 wie die kalte Luft nach unten ins Freie. Erstickungsgefahr bestehe nicht, sagt Würtl. Ein Frischluftloch, z.B. durch einen Skistock in der Decke sei von Vorteil, aber kein Muss.

Dieses Element ist nicht mehr verfügbar

Ganz Österreich
Tirol News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News