Tirol ORF.at
MI | 11.04.2012
Geröllhang im Hochgebirge (Bild: ORF)
WISSENSCHAFT
Den Geheimnissen des Permafrosts auf der Spur
Wissenschaftler aus fünf Alpenländern haben am Dienstag in Innsbruck ein alpenweites Permafrost-Inventar und eine Vorschau auf die erste einheitliche Hinweiskarte der potentiellen Permafrostverbreitung im Alpenraum präsentiert.
Die mit dem Klimawandel einhergehende Erwärmung geht auch an den Alpen nicht spurlos vorüber. Eine mögliche Folge des Auftauens von Permafrost ist eine Zunahme von Felsstürzen, wie sie in den letzten Jahren in den Hochalpen immer wieder stattfanden.
Alpenländer erforschen gemeinsam Permafrost
Das Netzwerk liefert eine solide Datenbasis für die weitere wissenschaftliche Erforschung des Permafrosts und die Beratung von Behörden.

Die Permafrostregionen in den Alpen reagieren besonders sensibel auf den Klimawandel. Deshalb wollen die Wissenschaftler auch herausfinden, welche Folgen die Erwärmung der Atmosphäre für den Permafrost und seine Heimatregion haben kann.

"Der Vergleich von Klimadaten mit den von uns beobachteten Veränderungen am Permafrost ermöglicht Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung und Beurteilung von damit möglicherweise verbundenen Gefahren", so Johann Stötter vom Institut für Geografie der Universität Innsbruck.
Stubaier Gletscher (Bild: ORF) Wichtig für Infrastruktur im Hochgebirge
Für den Bau von Wegen, Steigen und Kletterrouten, aber auch Schutzhütten, Seilbahnstationen und Gletscherskigebieten im Hochgebirge ist die Kenntnis von Permafrostvorkommen wichtig.
Oberflächliches Auftauen im Sommer
In den Alpen kann der Untergrund je nach Beschaffenheit des Geländes und lokalen Klimas oberhalb der Waldgrenze ständig gefroren bleiben. In den Sommermonaten taut er nur oberflächlich auf. Im Hochgebirge etwa erreichen die Permafrostzonen stellenweise eine Dicke von mehreren hundert Metern.
Untersuchung des Permafrosts (Bild: PermaNET)
Bild: Bohrungen zur Untersuchung des Permafrosts an der Aguilee du Midi in den französischen Alpen.
Netzwerk von Beobachtungsstellen
Bislang gab es für den Alpenraum nur länderspezifische Datensammlungen zum Permafrost. Die gemeinsame Arbeit der teilnehmenden Länder ermöglichte nun ein Inventar von Permafrostbeobachtungen und -messstandorten. "Durch die Einrichtung eines internationalen Beobachtungsnetzwerks untersuchen alle Alpenländer den Permafrost erstmals gemeinsam", sagte Projektkoordinator Volkmar Mair vom Südtiroler Amt für Geologie und Baustoffprüfung.

Erste gesamtalpine Permafrost-Hinweiskarte
Die Daten des Permafrost-Inventars liefern nicht nur Hinweise auf die lokalen Verhältnisse, sie bilden auch die Grundlage für Computersimulationen, mit denen auf die mögliche Verbreitung von Permafrost im gesamten Alpenraum geschlossen werden kann. Bis Projektende wird eine Hinweiskarte der potentiellen Permafrostverbreitung im gesamten Alpenraum publiziert werden.
Aufnahme in Risikomanagementplänen
Die Forscher wollen aber nicht nur Risikoabwägungen vornehmen, sondern auch Strategien für den Umgang mit dem Wandel in den Alpen entwickeln. "Permafrostphänomene und die damit verbundenen Naturgefahren sollten in Zukunft unbedingt in Naturgefahren- und Risikomanagementplänen erfasst werden", betonte Stötter, der in Innsbruck auch das „alpS – Centre for Climate Change Adaptation Technologies" leitet.
Ganz Österreich
Tirol News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News