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MI | 11.04.2012
Austria Salzburg Fans (Bild: ORF)
SPORT
Die Westliga im Würgegriff von Hooligans
Die Regionalliga West - Österreichs dritthöchste Fußballliga - steht vor einer Zerreißprobe. Einige Gruppen gewaltbereiter Fans treiben den Vereinsverantwortlichen die Schweißperlen auf die Stirn. Etliche Spiele könnten abgesagt werden.
Die WSG Wattens will auf das Spiel gegen Austria Salzburg verzichten.
Gefürchteter Austria Salzburg-Anhang
Auslöser für die Krise in der Westliga ist der Fanklub des Aufsteigers Austria Salzburg. Hunderte Fans begleiten ihre Mannschaft zu den Auswärtsspielen nach Tirol und Vorarlberg und immer wieder kommt es zu Ausschreitungen und Auseinandersetzungen mit aggressiven Mitgliedern anderer Fanklubs - zuletzt in Bregenz.

Kommenden Samstag wären die Salzburger zu Gast in Wattens, doch zu dem Spiel wird es aus heutiger Sicht nicht kommen. Der WSG-Vorstand hat entschieden, auf das Spiel und auf mögliche drei Punkte aus Sicherheitsgründen zu verzichten und hat damit vor rund zwei Wochen den Stein ins Rollen gebracht. Diesem Beispiel müssen bzw. wollen jetzt weitere Vereine in Tirol und Vorarlberg folgen.
Herbert Lener (Bild: Union)
Herbert Lener

Die beiden Innsbrucker Regionalliga-Vereine müssten ins Tivoli-Stadion ausweichen.
Stadt Innsbruck erteilt keine Bewilligung
Die beiden Innsbrucker Klubs in der Regionalliga West, SVG Reichenau und FC Union, haben seitens der Stadt Innsbruck keine Bewilligung erhalten, die Spiele gegen die Salzburger auf ihren Sportplätzen auszutragen.

Einzige Alternative wäre das Tivolistadion. Doch das sei sportlich und vor allem wirtschaftlich undenkbar, ärgert sich Union-Obmann Herbert Lener: "Erstens können wir uns die Kosten von 15.000 Euro nie leisten und zweitens verzichten wir nicht auf unser Heimrecht!"
Robert Auer
Robert Auer

In Wattens befürchtet man, dass wie schon im Vorjahr Hooligans aus Innsbruck die Konfrontation mit den Salzburg-Anhängern suchen.
WSG Wattens will Haftung nicht übernehmen
Die Kosten für die Sicherheit würden in Wattens rund 12.000 Euro für das als Risikospiel eingestufte Match gegen Austria Salzburg betragen. Diese wäre man auch bereit auszugeben, betont der sportliche Leiter Robert Auer gegenüber tirol.ORF.at: "Doch es ist nicht einzusehen, dass im Ernstfall die Haftung trotz erfüllter Auflagen allein der Verein übernimmt."

Auer: "Es sind nicht nur die Salzburg-Fans!"
Dass man seitens der Salzburger Klubführung jetzt drakonische Strafen gegen die WSG Wattens wegen des Spielverzichts fordert, sorgt bei Robert Auer für Kopfschütteln. Gleichzeitig betont er aber, dass der Salzburger Anhang allein nicht das große Problem sei: "Unser Problem ist die Nähe zu Innsbruck und den Hooligans aus Innsbruck!"

Nur ungern denkt Auer dabei an das Cup-Spiel gegen Sturm Graz in der vergangenen Saison zurück. Kurz vor Spielende rotteten sich damals hinter dem Tor rund hundert zum Teil gewaltbereite Hooligans aus Innsbruck zusammen, um auf die Sturm Graz Fans loszugehen: "Zum Glück hatten wir auch damals genügend Sicherheitskräfte im Stadion, sonst wäre die Situation wohl eskaliert!"
Schaden für Image, Sport und echte Fans
Dass die Regionalliga West in der Krise steckt, darüber herrscht Einigkeit bei den Vereinsfunktionären und auch beim Tiroler Fußballverband. Das schade nicht nur dem Image, sondern auch dem sportlichen Wettbewerb: "Am Ende wird Austria Salzburg Meister, weil etliche Vereine auf ein Antreten verzichtet haben", schildert Union-Obmann Lener die wettbewerbsverzerrenden Folgen der derzeitigen Situation.

Letztendlich - und auch darüber herrscht Einigkeit - schaden diese kleinen Gruppen gewaltbereiter Hooligans den echten Fans, die Woche für Woche aus Begeisterung für ihre Mannschaft und des Fußballs wegen in die Stadien pilgern.
Josef Geisler (Bild: ORF)
TFV-Präsident Josef Geisler hat einen Krisengipfel einberufen.
Krisengipfel am Montag in Innsbruck
Rückendeckung erhalten die Tiroler Vereine von Josef Geisler, dem Präsidenten des Tiroler Fußballverbandes. Amateurvereine sind wirtschaftlich nicht für Sicherheitskonzepte auf Bundesliganiveau gerüstet. Zahlreiche ehrenamtliche Funktionäre sehen sich plötzlich mit Haftungsfragen konfrontiert.

Diese Problematiken sind Thema eines Krisengipfels, der am Montag in Innsbruck stattfinden wird. Neben Vereins- und Verbandsfunktionären werden daran auch Vertreter des Innenministeriums sowie des ÖFB teilnehmen - und das alles nur wegen einiger weniger gewaltbereiter Hooligans.
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