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MI | 11.04.2012
Mutterer Bumsen (Bild: Falschlunger)
BRAUCHTUM
Skurriler Streit über verschwundene Kanone
Rund um das "Bumsa-Schiaßn" in Mutters ist ein Streit mit der Nachbargemeinde Natters ausgebrochen. Natterer hatten die traditionelle Kanone gestohlen, sie aber nun zurückgegeben. Für den Mutterer Bürgermeister ist die Sache damit nicht erledigt.
Schüsse am Namenstag des Dorf­patrons
In Mutters ist der Namenstag des Dorf­patrons Nikolaus ein ganz besonderer Festtag. Seit rund 200 Jahren wird er mit dem "Bumsa-Schiaßn" auf einzigartige Weise gefeiert. Ab 5.00 Uhr wird aus einer Kanone mehrmals am Tag geschossen.
Die Kanone wurde außerhalb jener Zeit gestohlen, in der sie bewacht wird.
Brauch: Natterer wollen die Kanone stehlen
Wie es Brauch ist, versuchen die Burschen aus dem Nachbardorf Natters, die Bumsa zu stehlen. Allerdings darf die Kanone nur in der Zeit von 5. Dezember 12.00 Uhr bis 6. Dezember 12.00 Uhr gestohlen werden. Daher wird die Bumsa in diesem Zeitraum von den Mutterern streng bewacht.

Die Kanone wurde aber um etwa zwölf Stunden von den Natterern zu früh gestohlen – nämlich in der Nacht von 4. auf den 5. Dezember kurz nach Mitternacht.
Starke Schallwirkung durch Holztrichter
Mutterer Bumsen (Bild: Falschlunger)
Die "Kanone" ist ein übergroßer, aus Fassdauben zusammengefügter Schalltrichter. Die Trichtermündung hat einen Durchmesser von knapp 1,5 Meter. Das Mundstück ist gerade so groß, dass der Lauf eines alten Tiroler Vorderladers hineinpasst.

Das Gewehr wird mit Schwarzpulver gefüllt und abgeschossen. Durch den Holztrichter erhält der Schuss eine außergewöhnlich starke Schallwirkung.
Kanone nicht freiwillig zurückgegeben
Der Mutterer Bürgermeister Hansjörg Peer schaltete daraufhin seinen Amtskollegen in Natters ein und gab den Natterern 90 Minuten Zeit, die Sache zu regeln - also die Kanone zurückzugeben. Da die Natterer nicht auf sein Angebot, die Kanone freiwillig zurückzugeben, reagiert hätten, habe er die Polizei zu Hilfe gezogen, so der Bürgermeister von Mutters. Erst dann wurde die Kanone zurückgegeben.
Die Kanone tauchte am Sonntagabend wieder in Mutters auf.
Natterer Bürgermeister: Polizei nicht nötig
Nach Auskunft des Natterer Bürgermeisters Stefan Moisi wäre es seiner Ansicht nach nicht notwendig gewesen, wegen eines Brauchtums-Schalks die Polizei einzuschalten. Ein persönliches Gespräch mit Peer habe es noch nicht gegeben.
Mutterer Bgm: Angelegenheit nicht erledigt
Während für Moisi die Sache abgehakt ist, sieht das Peer ganz anders. Bei dem Diebstahl der Kanone sei durch das Eindringen der Natterer in abgesperrtes Gemeindeeigentum eingegriffen worden, es handle es sich somit um einen klassischen Einbruch. Nun sei die Polizei am Zug.
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