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MI | 11.04.2012
Orthodoxe Kirche (Bild: ORF/Hermann Hammer)
KIRCHE
Orthodoxe Kirche weiter auf Herbergsuche
Wenn in der orthodoxen Kirche am Donnerstagabend in Innsbruck die Christmette gefeiert wird, müssen viele draußen bleiben. Die Kirche ist zu klein. Schon seit zehn Jahren sucht die Gemeinde erfolglos eine größere Unterkunft.
7-Kapellen-Areal (Bild: ORF/Hermann Hammer)
Die Kirche am Sieben-Kapellen-Areal
Verwendungszusage von LH Herwig van Staa
Bereits im Jahr 2001 fragte die orthodoxe Kirche bei der Schloss- und Burghauptmannschaft um die Kirche am Sieben-Kapellen-Areal an, eine brach liegende Kirche.

Unter Landeshauptmann Herwig van Staa (ÖVP) gab es eine Verwendungszusage für diese Kirche an die orthodoxe Gemeinde. Diese Zusage wurde dann aber mit Verweis auf eine mögliche Kunstuniversität wieder zurückgezogen. Van Staa sagte aber für den Fall, dass die Kunstuni nicht komme, der orthodoxen Gemeinde Priorität zu. Er sei aber zuversichtlich, für die serbisch-orthodoxe Gemeinde eine geeignete Unterbringungsmöglichkeit zu finden.
7-Kapellen-Areal (Bild: ORF/Hermann Hammer)
Pfarrer Vidoslav Vujasin vor der Kirche am Sieben-Kapellen-Areal
An Festtagen kommen bis zu 300 Gläubige
Kapelle im Saggen fasst nur 80 Menschen
Von einer Kunstuniversität hört man schon länger nichts mehr, aber nach wie vor muss die orthodoxe Tiroler Gemeinde mit der Kapelle der Siebererschule im Innsbrucker Stadtteil Saggen das Auskommen finden.

Die Kapelle fasse etwa 80 Menschen, sagt der serbisch-orthodoxe Pfarrer Vidoslav Vujasin. Schon an einem normalen Sonntag reiche dieser Platz oft nicht und an Hochfesten würden mehrere hundert Gläubige kommen.
Siebererkirche (Bild: ORF/Hermann Hammer)
Pfarrer Vujasin in der derzeit benutzten Kapelle, in Händen die Mappe mit der Korrespondenz rund um eine neue Kirche.
Viele Gemeindeaktivitäten nicht möglich
Keine Sanitäreinrichtungen
Erschwerend komme hinzu, dass es keine Sanitäranlagen gebe und auch weitere Räumlichkeiten für die 10.000 Menschen zählende orthodoxe Gemeinde völlig fehlten. Alle seelsorglichen Gespräche müssten direkt in der Kirche stattfinden, Jugend- und Seniorenarbeit seien nicht möglich, sagt Vujasin. Man könne auch nicht Gastgeber für ökumenische Veranstaltungen seien.
Landeshauptmann Günther Platter (Bild: ORF) Platter: Ball liegt derzeit beim Bund
Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) sagte im August 2008 in einem Schreiben an den damaligen Innsbrucker Vizebürgermeister Eugen Sprenger, er werde sich gemeinsam mit der Stadt Innsbruck um einen Alternativstandort bemühen, da das Sieben-Kapellen-Areal für eine Kunstfakultät benötigt werde.

Aktuell heißt es vom Büro des Landeshauptmannes, das Land befinde sich weiterhin mit dem Bund in Verhandlungen um das Sieben-Kapellen-Areal. Das Sieben-Kapellen-Areal sei aber Teil eines größeren Gesamtpakets, um das verhandelt werde. Der Bund habe bisher kein akzeptables Angebot vorgelegt und so liege der Ball derzeit beim Bund.
Herwig van Staa (Bild: ORF) Van Staa: Derzeitiger Zustand keine Lösung
Der Altlandeshauptmann und derzeitige Landtagspräsident Herwig van Staa sagte am Mittwoch gegenüber dem ORF-Tirol, das Sieben-Kapellen-Areal gehöre dem Bund und stehe unter Denkmalschutz. Er sei der Meinung, man solle die Kirche den Serbisch-orthodoxen zur Verfügung stellen. Auf den Nachbargrundstücken könnte die orthodoxe Gemeinde ein Baurecht erwerben zu einem ortsüblichen Baurechtszins.

Van Staa sagte weiters, die orthodoxe Gemeinde könne direkt mit dem Wirtschafsministerium Verhandlungen führen. Die derzeitige Situation in der Siebererschule sei keine Lösung, so van Staa. Die serbisch-orthodoxe Kirche sei in Österreich eine anerkannte Religionsgemeinschaft und für eine freie Religionsausübung brauche es auch einen entsprechden Raum.
Christine Oppitz-Plörer (Bild: Stadt Innsbruck) Oppitz-Plörer: Konkretes Konzept gefragt
Die Innsbrücker Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck) sagte, wenn es ein Konzept der orthodoxen Gemeinde gebe, dass unter anderem darüber Auskunft gebe, wie man sich die Finanzierung oder den Erhalt einer Kirche vorstelle, werde man auch die entsprechenden Gremium der Stadt mit diesem Konzept befassen.

Die Bürgermeisterin mahnte im Gespräch mit dem ORF Tirol aber auch eine Verantwortung der anderen christlichen Konfessionen ein, wenn möglich etwas zur Verfügung zu stellen; immerhin würden Kirchen auch mit öffentlichen Geldern finanziert.
Manfred Scheuer (Bild: Diözese Innsbruck) Bischof Scheuer: Verstehe das Anliegen
Der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer sagte gegenüber der serbisch-orthodoxen Kirche bereits 2008, er verstehe das Anliegen, sehe aber von seiner Seite derzeit keine Möglichkeiten, etwa der Gemeinde Baulichkeiten zur Verfügung zu stellen. In einer Anfrage bestätigte man von Seiten der Bischofskanzlei, dass sich diesbezüglich auch jetzt nichts geändert habe.
Gemeinde will auch selbst ihren Beitrag leisten
Eine halbe Million für neue Kirche gesammelt
Die orthodoxe Gemeinde wolle aber nicht nur die Hand ausstrecken, sondern wolle auch ihren Beitrag leisten, nur schaffe man es alleine einfach nicht, sagt Pfarrer Vujasin. Man habe schon jetzt fast eine halbe Million Euro für eine neue Kirche gesammelt. Die Kirche am Sieben-Kapellen-Areal würde man renovieren und herrichten. Eine orthodoxe Kirche würde ein Schmuckstück in der Stadt sein.

Auch den Neubau einer Kirche schließt Pfarrer Vujasin nicht aus, vielleicht auf einem Grundstück, auf dem die orthodoxe Kirche ein Nutzungsrecht habe. Gegen die Idee, die Kirche im Gewerbegebiet Rossau zu errichten, wehrt sich der Pfarrer. Zwischen Industriebetriebe und auch anderen Betriebe "die ich nicht nennen will" gehöre eine Kirche nicht hin.
Rumänisch-orthodoxe Kirche aus Holz (Bild: ORF)
Eine der neuen orthodoxen Kirchen in Salzburg: Eine rumänisch-orthodoxe Holzkirche
Pfarrer appelliert an Land und Stadt
An die Politik appelliert Pfarrer Vujasin, "dass man unsere Bedürfnisse ernst nimmt, dass wir als Gemeinschaft akzeptiert werden und unseren Platz in dieser Stadt und in diesem Land haben dürfen." Das Land Salzburg habe in dieser Zeit vier orthodoxe Kirchen genehmigt, in Tirol gebe es kein einziges funktionelles Seelsorgezentrum.

Hermann Hammer; tirol.ORF.at
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