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MI | 11.04.2012
Hilde Zach (Bild: Stadt Innsbruck)
LEUTE
Innsbrucks Altbürgermeisterin Zach ist tot
Die Innsbrucker Altbürgermeisterin Hilde Zach ist am Samstagabend nach langer Krankheit gestorben. Sie war von 2002 bis 2010 Bürgermeisterin von Innsbruck. Zach zog sich 2010 aus der Politik zurück. Sie wurde 68 Jahre alt.
Hilde Zach war gemeinsam mit Herwig van Staa Gründungsmitglied "Für Innsbruck".
Aufstieg an der Seite von Herwig van Staa
Hilde Zach war eine ehemalige Kleinunternehmerin aus der Innsbrucker Fleischerdynastie. Ihre politische Karriere begann vor fast 20 Jahren.

1991 wird die resolute Inhaberin einer Fleischhauerei Bezirksobfrau des Wirtschaftsbundes. Drei Jahre später ist sie zusammen mit Herwig van Staa Gründungsmitglied der politischen Gruppierung "Für Innsbruck", einer Abspaltungsliste von der damaligen ÖVP unter Romuald Niescher.

"Für Innsbruck" gewinnt 1994 die Wahl, Van Staa wird Bürgermeister und Hilde Zach übernimmt die Kulturagenden. Sechs Jahre später erringt die Liste die relative Mehrheit.

Seit der Gemeinderatswahl 2000 war sie 1. Bürgermeister-Stellvertreterin mit den Ressorts Kultur, Erziehung, Bildung und Gesellschaft, Frauen, Familien und Senioren, Kinder- und Jugendförderung.
Hilde Zach wird als Bürgermeisterin von Herwig van Staa angelobt (Bild: APA/Robert Parigger)
Hilde Zach wurde auch "Wilde Hilde" genannt.
Erste Frau an Spitze einer Landeshauptstadt
Als Herwig van Staa Wendelin Weingartner als Chef der Tiroler Landesregierung ablöste und Landeshauptmann wurde, wurde Hilde Zach 2002 Innsbrucker Bürgermeisterin. Hilde Zach - mittlerweile mit Beinamen "Wilde Hilde" - war damit die erste Frau an der Spitze einer Landeshauptstadt.
2010 übergab Zach das Bürgermeisteramt an Christine Oppitz-Plörer.
Von 2002 bis 2010 Bürgermeisterin
2006 musste sie mit ihrer ÖVP nahen Liste "Für Innsbruck" ein Minus von 9,5 Prozentpunkten hinnehmen, erreichte mit 26,8 Prozent der Stimmen aber dennoch die relative Mehrheit.

Am 8. März 2010 hat Zach das Bürgermeisteramt krankheitsbedingt an Vizbebürgermeisterin und politische Nachfolgerin Christine Oppitz-Plörer übergeben.
Tunnel Hungerburgbahn (Bild: ORF) Kritik und Diskussionen über ihre Projekte
Herbe Kritik von den Stadtparteien musste die Bürgermeisterin einstecken, als sie im Alleingang 122 Millionen Euro von der BAWAG zur Raiffeisen-Gruppe transferieren lässt.

Für viel Diskussion sorgt auch ihr Vorzeigeprojekt, der Bau der Hungerburgbahn neu, von Gegnern auch als "Grottenbahn" beschimpft. Hilde Zach gilt aber auch als Förderin der bildenden Kunst und führt in der Stadt die Initiative "Innsbruck liest" ein.
Kaufhaus Tyrol (Bild: ORF) Wirtschaftlich ebnet sie den Weg für den Bau des neuen Kaufhauses Tyrol in der Maria Theresien Straße, das im Zentrum der Tiroler Landeshauptstadt einen modernen städtebaulichen Akzent setzte.
Kämpfernatur Hilde Zach
Vor einigen Jahren erkrankte Hilde Zach an Brustkrebs. Es gelang ihr lange, gegen die Krankheit anzukämpfen, bis diese vor geraumer Zeit an einer anderen Stelle wieder ausbricht.

Hilde Zach, von Freund und Feind als Kämpfernatur bezeichnet, hat ihren Kampf gegen den Krebs verloren.
Lebenslauf einer schillernden Persönlichkeit
Die für ihre Energiegeladenheit und ihr Temperament bekannte Politikerin wurde am 25. August 1942 in Hall bei Innsbruck geboren. Ihre Mutter stammte aus einer Haller Salinenarbeiterfamilie. Die Eltern Josef Zach und Mathilde Ebenbichler lernten einander als Lehrbub und Lehrmädchen kennen. Sie selbst ist das mittlere von drei Kindern. Die Schwester ist heute Wirtin im Leipziger Hof in Innsbruck, der Bruder erbte den mittlerweile geschlossenen elterlichen Metzgereibetrieb in der Innenstadt. Musik und Theater hatten in der Familie einen hohen Stellenwert.

Nach dem Besuch der Volks-, Haupt- und Handelsschule holte Hilde Zach später neben der Berufstätigkeit die Matura im Abendstudium nach. Ihren Wunsch, auf eine höhere Schule zu gehen und Lehrerin zu werden, goutierte der Vater allerdings nicht, weil er der Meinung war, "dass sich das nicht auszahlt, weil die Madeln eh wegheiraten. Alle mussten wir die Metzgerlehre machen und im Geschäft mitarbeiten, mein Bruder hatte das männliche Privileg, die Handelsakademie besuchen zu dürfen", erzählte Zach einmal.

Mit 18 Jahren kam Zach nach Innsbruck. Ihre Eltern hatten 1956 die Bombenruine "Weiß", das Eckhaus am Bozner Platz/Wilhelm-Greil-Straße erworben. 1990 wurde sie Wirtschaftsbundobfrau in Innsbruck. Die kaufmännische Ausbildung bekam sie im elterlichen Betrieb, dort hatte sie 20 Jahre eine Führungsposition inne.

In ihrem Leben gab es zwei schwere Schicksalsschläge: Mit 30 Jahren, kurz vor der Heirat, der tödliche Unfall ihres Verlobten, Josef Norz - und vor mehreren Jahren eine Krebserkrankung, die sie zwischenzeitlich überwunden hatte. Der Widerausbruch der Krankheit hatte Zach veranlasst, noch vor dem Ende ihrer Amtszeit aus der Politik auszuscheiden.
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