Tirol ORF.at
MI | 11.04.2012
BBT Modell (Bild: ORF)
POLITIK
BBT wird Realität - Ministerrat gibt grünes Licht
Am Dienstag hat der Ministerrat grünes Licht für den Start der Hauptbauphase des Brenner-Basistunnels gegeben. Damit können die Bohrungen erster Teilstücke, wie im Bergmeisterplan vorgesehen - noch im Jahr 2011 beginnen.
Konrad Bergmeister (Bild: ORF)
Konrad Bergmeister
Finanzierung bis 2016 gesichert
Mit dem Beschluss des Zeitplans von BBT-Chef Konrad Bergmeister ist der Ministerrat am Dienstag der Aufforderung des Landes Tirol, Italiens und der EU gefolgt. Rund 1,3 Mrd. Euro werden seitens des Bundes bis 2016 flüssig gemacht. Damit kann der zuletzt aktualisierte Zeitplan eingehalten werden.
So sieht der Bergmeister-Plan im Detail aus
In den kommenden fünf Jahren werden die Erkundungsstollen vorangetrieben, parallel dazu werden ab 2011 schon die ersten Kilometer des eigentlichen Brenner-Basistunnels in Angriff genommen, so Bergmeister.

Konkret sollen ab kommendem Jahr die BBT-Teilstücke Innsbruck-Ahrental und Franzensfeste-Trens in den Berg gebohrt werden. Baubeginn für den Hauptteil des BBT zwischen Ahrental und Trens, bei dem die großen Tunnelbohrmaschinen zum Einsatz kommen, ist 2016. Bis dahin ist mit dem Ministerratsbeschluss die Finanzierung gesichert.

Fertigstellungstermin für den Brenner-Basistunnel ist derzeit 2025.
Der Dank Platters richtet sich auch an Verkehrsministerin Doris Bures.
Große Erleichterung bei LH Platter
Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) war die Erleichterung über den positiven Beschluss am Dienstag ins Gesicht geschrieben. Der Bau des Brenner-Basistunnel sei jetzt nicht mehr aufzuhalten, so Platter.

Damit wird Platter wohl richtig liegen, denn es ist unwahrscheinlich, dass das Projekt 2016 gestoppt wird, nachdem bereits Milliarden investiert wurden. Platter wird aber auch damit richtig liegen, dass die Arbeit - vor allem für die Politik - jetzt erst richtig beginnt: "Der Brenner-Basistunnel ist unverzichtbar für eine langfristige Entlastung der Menschen in Tirol. Parallel dazu gilt es aber, weiterhin an den entsprechenden Rahmenbedingungen zu arbeiten. Diese Entscheidung ist nicht das Ende, sondern der Beginn von viel Arbeit. Hier müssen wir alle an einem Strang ziehen."

Dieses Element ist nicht mehr verfügbar

Johannes Rauch (Bild: VP Tirol)
Tirols VP-Geschäftsführer Hannes Rauch
VP-Spitze spricht von großem Erfolg
Lob für sein Verhandlungsgeschick erntet Platter aus den eigenen Reihen - etwa von Wirtschaftsbundobmann Jürgen Bodenseer oder Klubobmann Josef Geisler. Der Tirol VP-Geschäftsführer Joahnnes Rauch spricht auch von einem Erfolg für die Menschen an der Transitstrecke: "Trotz aller Querschüsse auch aus Tirol - etwa seitens der Grünen oder Liste Fritz - hat sich LH Platter nicht beirren lassen und konsequent die Interessen der Anrainer an der Transitstrecke vertreten. Dieser Erfolg trägt ganz eindeutig seine Handschrift."
Fritz Gurgiser (Bild: ORF)
Fritz Gurgiser
Gurgiser kritisiert fehlende Entlastung
Für den Chef des Tiroler Transitforums, LAbg. Fritz Gurgiser, hat der Beschluss für die transitgeplagte Tiroler Bevölkerung und Wirtschaft entlang der Brennerstrecke zwischen Rosenheim und Verona "keine wie immer gearteten Entlastungswirkungen von Lärm und Schadstoffen."

Die Tiroler Landespolitik sei vielmehr verpflichtet, "das größte zusammenhängende Luftschadstoffgebiet des gesamten Binnenmarktes mit rund 70 Mio. Quadratmetern Fläche im Nordtiroler Zentralraum sehr rasch zu sanieren". Baumaßnahmen würden dieses Problem nicht lösen.
Gerald Hauser (Bild: FPÖ Tirol)
Gerald Hauser
FP-Hauser fordert Verlagerungs-Garantie
Ohne Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene seien derartige Beschlüsse reine Makulatur und der Brenner-Basistunnel überflüssig, kritisiert Tirols FP-Chef Gerald Hauser: „Die Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene hat der Herr Landeshauptmann Günther Platter zugesagt, ich hoffe, dass er sein Versprechen hält."

Wenn Voraussetzungen wie die Verlagerungsgarantie und die Gesamtfinanzierung fürs Projekt stünden, stehe die FPÖ zum Bau des Brennerbasistunnels. Ihr gehe es um die Entlastung der verkehrsgeplagten Bevölkerung an der Transitroute, so Hauser weiter.
Fritz Dinkhauser (Bild: ORF)
Fritz Dinkhauser
Liste Fritz will Verlagerungsrichtlinie
Der Chef der Liste Fritz - Bürgerforum Tirol, Fritz Dinkhauser, kritisiert, dass es keine verbindliche Verlagerungsrichtlinie für den Schwerverkehr von der Straße auf die Schiene gebe. Die Zeche - wie immer bei solchen Megaprojekten - zahle der Steuerzahler.

Es brauche Sofort-Maßnahmen für die Bevölkerung. "Ein Tunnel am St. Nimmerleinstag hilft der Tiroler Bevölkerung, darunter 20.000 Kinder im Luftsanierungsgebiet, heute gar nichts", sagt Dinkhauser.
Georg Willi (Bild: Die Grünen)
Georg Willi
Grüne wollen rasche Entlastung
Der Grüne Klubobmann Georg Willi will rasche Entlastungsmaßnahmen für die Bevölkerung wie mehr zeitliche Fahrverbote für Lkws oder mehr Tonnage auf der Schiene durch intelligente Systeme. "Da erwarten wir die Unterstützung durch den Landeshauptmann", so Willi.

Willi teilt den Optimismus des Landeshauptmannes nicht, wonach das Projekt nun nicht mehr aufzuhalten sei. Entscheidend seien auch die milliardenschweren Zulaufstrecken und die Verlagerungsgarantie. "Wenn diese beiden fehlen, ist das wie ein Fahrrad, bei dem alles vorhanden ist, aber die beiden Räder fehlen. Damit kommt man nicht weiter", sagt Willi.

Stefan Lindner; tirol.ORF.at
Ganz Österreich
Tirol News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News