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MI | 11.04.2012
Expertenkommission Lebenshilfe (Bild: ORF)
SOZIALES
Expertenkommission röntgt Lebenshilfe
Nach den Turbulenzen der letzten Wochen setzt die Lebenshilfe Tirol auf Transparenz. Am Montag hat die vom Vorstand eingesetzte Expertenkommission ihre Arbeit aufgenommen. Sämtliche Vorwürfe sollen lückenlos aufgeklärt werden.
Lebenshilfe Tirol (Bild: ORF) Sporer, Paumgartten, Bernhart
Die drei Männer, die die zuletzt bekannt gewordenen Vorkommnisse innerhalb der Lebenshilfe-Führungsetage aufklären sollen, sind: Josef Sporer, Präsident der Kammer der Wirtschaftstreuhänder Tirols, Ulrich Paumgartten, Senatspräsident des Oberlandesgerichts Innsbruck und Erwin Bernhart, Vater eines Kindes mit Behinderung.
Josef Sporer (Bild: ORF)
Josef Sporer: "Reinen Tisch zu machen."
Josef Sporer: "Objektiv die Fakten feststellen"
Josef Sporer will mit aller Schärfe vorgehen: "Wir haben die Vorwürfe zu untersuchen, die in den Raum gestellt wurden und wollen ganz objektiv die Fakten feststellen. Über eventuelle Konsequenzen muss das Präsidium entscheiden. Ich bin aber überzeugt davon, dass die Frau Präsidentin Murauer gewillt ist, reinen Tisch zu machen und alles zu tun, damit das Vertrauen in die Lebenshilfe wieder hergestellt wird."
Erwin Bernhart (Bild: ORF)
Erwin Bernhart: "Vertrag wurde von der Lebenshilfe aber nicht übernommen."
Erwin Bernhart: Für Vertrag doppelt bezahlt
Erwin Bernhart ist Vater einer Tochter mit Behinderung und Betroffener der bisherigen Praxis. Er hat für einen Vertrag doppelt bezahlt: "Ich bin Eigentümer einer Wohnung und habe, damit meine Tochter darin wohnen kann, diese Wohnung der Lebenshilfe vermietet. Dafür habe ich vom Anwalt meines Vertrauens einen Vertrag aufsetzen lassen. Dieser Vertrag wurde von der Lebenshilfe aber nicht übernommen, sondern es wurde mir ein eigener Vertrag vorgelegt. Mit der Begründung, dass bei der Lebenshilfe alle Verträge vom Notariat Zobl gemacht werden."
Ulrich Paumgartten (Bild: ORF)
Ulrich Paumgartten: "Privatberuf von Position in einer ehrenamtlichen Einrichtung trennen."
Ulrich Paumgartten: Moralische Komponente
Senatspräsident Ulrich Paumgartten möchte die Vorfälle nicht auf das Strafrecht beschränken. "Allein, dass etwas rechtlich erlaubt ist heißt noch nicht, dass man es im Bereich von ehrenamtlicher oder gemeinnütziger Tätigkeit, auch tun dürfe. Die Konsequenzen könnten sein, dass Entflechtungen stattfinden und dass man zum Ergebnis gelangt, dass jemand der in leitender Position in einer ehrenamtlichen Einrichtung tätig ist, nicht im Privatberuf für diese gemeinnützige Einrichtung arbeiten übernehmen soll", so Paumgartten.
Probleme in der Führungsetage
Nachdem die Staatsanwaltschaft im Dezember Ermittlungen wegen des Verdachts des Betrugs aufgenommen hat, wurden schwere Vorwürfe gegen Hanspeter Zobl, den ehemaligen Präsidenten der Lebenshilfe Tirol erhoben. Er soll, in seiner aktiven Berufslaufbahn als Notar, den Eltern behinderter Kinder teure Verträge verkauft haben, die juristisch nicht notwendig waren.

Daraufhin kam es zum Wechsel des Vorstands. Hanspeter Zobl stellte zunächst sein Aufsichtsratsmandat ruhend, schließlich hat er seine Ämter zurückgelegt. Als Nachfolgerin von Zobl wurde Gerhild Murauer als neue Präsidentin der Lebenshilfe gewählt.
Staatsanwaltschaft ermittelt
Zobl war seit geraumer Zeit wegen seiner gleichzeitig für den Verein ausgeübten Funktion als Notar ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Seine Kanzlei hatte das Gros der Verträge für die Lebenshilfe durchgeführt. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck ermittelt wegen Betrugverdachts.

Neben persönlicher Bereicherung stand eine weitere schwerwiegende Anschuldigung - allerdings nicht gegen Zobl - im Raum. Die Festplatte eines Mitarbeiters der Lebenshilfe wurde beschlagnahmt, wegen des Verdachts des Herunterladens von kinderpornografischem Material, bestätigte die designierte Lebenshilfepräsidentin Gerhild Murauer.
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