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MI | 11.04.2012
Kneissl (Bild: ORF)
WIRTSCHAFT
Kneissl: Masseverwalter hat jetzt das Sagen
Nach dem am Dienstag eröffneten Insolvenzverfahren bei Kneissl verschaffen sich jetzt Masseverwalter und AMS einen Überblick über die Lage des Kufsteiner Skiherstellers. 28 Mitarbeiter sind betroffen.
Verhandlungen über Mitarbeiter
Seit Mittwochvormittag bestimmt Masseverwalter Stefan Geiler, wie es bei Kneissl weitergeht. Zur Mittagszeit traf er sich mit der Geschäftsführung in Kufstein. Das Schicksal der 28 Beschäftigten wird vermutlich eines der wichtigsten Themen sein.
Noch kein Mitarbeiter gekündigt
Bis jetzt wurde noch kein Mitarbeiter gekündigt. Auch im Zuge des Frühwarnsystems beim Arbeitsmarktservice (AMS) ging noch keine Meldung ein. Die Mitarbeiter haben deshalb noch eine 30-Tage-Frist, bevor ihr Dienstverhältnis beendet werden kann.

Die Lage am Arbeitsmarkt habe sich heuer zum Glück etwas entspannt, sagt Margit Exenberger vom AMS Kufstein. Sie sei optimistisch, für die Kneissl-Mitarbeiter Alternativen zu finden.
Andreas Gebauer (Bild: ORF)
Kneissl-Geschäftsführer Andreas Gebauer.
Gebauer: "Es geht mit Kneissl weiter"
Kneissl-Geschäftsführer Andreas Gebauer ist optimistisch, dass es mit Kneissl weitergeht. Dafür braucht es aber frisches Geld. Scheich al Jaber hat angekündigt, unter bestimmten Bedingungen bis März Geld locker machen zu wollen. Was das Wort des Scheichs Wert ist, bleibt abzuwarten. Und ob Kneissl bis März Zeit hat, auch das ist mehr als ungewiss.
Kneissl: Welche Rolle spielt der Scheich?
Nach der Konkurseröffnung über große Teile der Kneissl-Firmen bleibt unklar, wo die Verantwortlichkeiten für die finanzielle Misere liegen. Eine ungewöhnliche Rolle nimmt dabei Mehrheitseigentümer Mohamed Al Jaber ein.
Al Jaber (Bild: APA/HELMUT FOHRINGER)
Woher hat der Scheich sein Geld?
Reichtum durch Öl-Geschäfte?
Über den persönlichen und wirtschaftlichen Hintergrund Mohamed Bin Issa Al Jabers ist bei näherer Betrachtung wenig bekannt. Al Jaber wird mit vielen Geschäften in Verbindung gebracht. Belegbares gibt es aber nicht. Immer wieder wird er als Scheich oder als Öl-Millionär bezeichnet. Mit welchem Öl er seine Millionen erwirtschaftet, ist allerdings nicht bekannt.
Großeinkäufe und Versprechungen
Vor neun Jahren erwarb Al Jaber jenes Grundstück, auf dem später das Wiener Luxushotel "The Ring" errichtet wurde. Vier Jahre später kaufte er das Wiener Palais Corso. Angebliche Kosten: 70 Millionen Euro.

Ein Rechtsstreit folgte, nachdem Al Jaber seine Investitionszusage für die AUA im Jahr 2008 zurückzog. Ein Jahr später wollte er bei den Magic Life-Clubs der TUI einsteigen, aber auch das kam nicht zustande.
Al Jaber ist österreichischer Staatsbürger
Wenig weiß man auch über Al Jabers Privatleben, nur soviel: Al Jaber ist verheiratet und hat drei Kinder. Eine seiner Töchter hat bis vor kurzem als Mitgeschäftsführerin bei Kneissl fungiert.

Seit 2007 besitzt Al Jaber die österreichische Staatsbürgerschaft, und 2009 wurde er mit der goldenen Ehrenmedaille der Stadt Wien ausgezeichnet.

Warum Al Jaber Kneissl gekauft hat, warum er dem einstigen Tiroler Paradebetrieb letztlich aber doch nicht auf die Füße geholfen hat, bleibt völlig unklar. Schon allein, weil sich der Scheich persönlich nur äußerst selten den Fragen der Presse stellt.
Ist die Marke Kneissl noch was wert?
Die Marke Kneissl dürfte am internationalen Skimarkt an Wert verlieren. In der Bilanz wurde der Wert der Marke mit vier Millionen Euro ausgewiesen. Dass man dafür noch soviel bekommt, bezweifelt aber Walter Hintringer vom Kreditschutzverband 1870.
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