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MI | 11.04.2012
Nachbildung von Ötzi (Bild: Robert Parigger)
WISSENSCHAFT
Ausstellung zeigt Ötzis neues Gesicht
Im Herbst 2011 jährt sich der Fund Ötzis zum 20. Mal. Die Sonderausstellung "Ötzi hoch 20" zeigt ab 1. März eine neue Rekonstruktion des Gesichts der Mumie. Stickstoff soll in Zukunft das Altern der Gletschermumie verhindern.
Ötzi im Jahr 1991 (Bild: dpa)
Das Archivbild von September 1991
Sonderaussstellung zeigt neues Gesicht Ötzis
Am 1. März startet die Sonderausstellung "Ötzi hoch 20" im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen. Das Highlight der Jubiläumsausstellung ist die neue Rekonstruktion der Gletscherleiche. Auf der Basis von 3-D-Aufnahmen des Gesichts, Röntgen- und Computertomografie-Bildern haben die niederländischen Experten Alfons und Adrie Kennis Ötzi rekonstruiert. Die Arbeit ist nicht leicht gewesen und hat beinahe ein halbes Jahr gedauert, so die beiden Niederländer.

"Wir haben mit einem Metallgerüst angefangen und haben Schicht für Schicht aufgetragen. Schwierig war das Gesicht. Fotos von Menschen, die in den Bergen leben waren dazu wichtig. Kleine Narben, Leberflecke und farbliche Veränderungen lassen die Haut besonders lebendig aussehen", beschreibt Kennis die Herausforderungen ihrer Arbeit. Bereits dem Neandertaler haben die beiden Experten aus den Niederlanden ein Gesicht gegeben.
Touchscreen gibt Einblick in Ötzis Körper
Die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse, sowie Kurioses und Absurdes werden eine umfassende Sicht auf den "Mann aus dem Eis" geben. Die Lebensumstände von Ötzi, wichtige Forschungsergebnisse, die Medienrealität rund um den Eismann bis hin zu den Fiktionen werden auf vier Etagen präsentiert.

In der Sonderschau haben Besucher die Möglichkeit Ötzi selbst zu durchleuchten. Über einen Touchscreen öffnet sich der virtuelle Körper der Mumie und medizinische Eigenheiten der Gletscherleiche können selbst entdeckt werden.
Keine Angst vor "Fluch" der Mumie
Zu den Fiktionen zählt wohl auch der sogenannte "Fluch" der Mumie. Der Konservierungsbeauftrage der Gletschermumie, Eduard Egarter-Vigl, fürchtete sich jedenfalls nicht vor dem berüchtigten "Fluch". Die meisten seien in einem Alter aus dem Leben geschieden, in denen man sterben dürfe, so Egarter-Vigl gegenüber der APA.
Ötzi im Archäologiemuseum in Bozen (Bild: APA/Robert Parigger)
Ötzi im Museum in Bozen
Der Fluch der Mumie
2005 starb in Australien der 63-jährige Archäologe Tom Loy. Er litt zwölf Jahre an einer Blutkrankheit, die kurz nach Beginn seiner Forschungen Zum Ötzi diagnostiziert worden war.

Ebenfalls 2005 starb der Urgeschichtler und Ötzi-Forscher Konrad Spindler nach langer und schwerer Krankheit.

Im Oktober 2004 kehrte der Ötzi-Entdecker Helmut Simon von einer Bergtour in Salzburg nicht mehr zurück.

Im Juli 1992 verunglückte der Gerichtsmediziner Rainer Henn auf dem Weg zu einem Vortrag über die Gletschermumie.

Der Bergführer Kurt Fritz, der Reinhold Messner zur Fundstelle geführt hat, verunglückte in einer Lawine.
Mumie wird bei Minus 6,5 Grad Celsius konserviert.
Neue Konservierungsmethode mit Stickstoff
Trotz seines Alters von 5.300 Jahren ist die Gletschermumie vom Hauslabjoch noch gut erhalten. Dass das jugendliche Aussehen auch zukünftig erhalten bleibt, soll laut Angaben von Eduard Egarter-Vigl durch reinen Stickstoff gewährleistet werden.

Im ersten Halbjahr 2011 soll das Konservierungsprojekt abgeschlossen werden. Oxidationsprozesse, die für das Altern der Mumie verantwortlich sind, und aerobe Bakterien sollen durch den Einsatz von reinem Stickstoff blockiert werden.

Um das Austrocknen der Mumie zu verhindern, werde laut Egarter-Vigl die Gletscherleiche alle zwei bis drei Monate mit fein zerstäubtem Wasser besprüht. Die Konservierung sei laut Egarter-Vigl eine Gratwanderung zwischen dem Ziel, die Mumie auf lange Zeit zu konservieren und museal und ökonomisch zu nutzen.
Ein interaktiver Bildschirm mit der Darstellung der mumifizierten Leiche des Ötzi (Bild: APA/Robert Parigger)
Sonderausstellung bis Jänner 2012
Sonderausstellung im Südtiroler Archäologiemuseum vom 1. März 2011 bis 12. Jänner 2012.
Spannende Ergebnisse der Forschungen
Ötzi war zu Lebzeiten etwa 1,60 Meter groß, hatte Schuhgröße 38 und wog rund 50 Kilogramm, was für die damalige Zeit durchschnittlich war. Kurz bevor er hinterrücks durch einen Pfeilschuss getötet wurde, hatte er noch Fleisch und Getreide als letzte Mahlzeit zu sich genommen. Der Mann aus dem Eis starb im Alter von etwa 45 Jahren, was damals bereits dem Greisenalter entsprach.

Rätsel gibt den Forschern noch die Frage auf, warum er getötet wurde und weshalb er im Hochgebirge unterwegs war. Der Steinzeitgreis soll jedenfalls auf der Flucht gewesen sein. Das würden zumindest unfertige Ausrüstungsgegenstände nahelegen. Der Mann wollte vor seinem Tod noch schnell einen neuen Bogen und neue Pfeile herstellen.
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