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MI | 11.04.2012
Inschrift auf Grabkreuz (Bild: ORF)
CHRONIK
"Friedhof ohne Tote" wird erweitert
Der weit über die Grenzen Tirols hinaus bekannte "Friedhof ohne Tote" in Kramsach im Unterinntal wird erweitert. Die oft skurrilen und wenig pietätvollen Inschriften locken jedes Jahr mehr als 200.000 Besucher an.
Bauernmaler fassten das Leben der Verstorbenen in wenigen Worten zusammen.
Für skurrile Grabinschriften bekannt
"Hier ruht Franz Josef Matt, der sich zu Tod gesoffen hat. Herr gib ihm die ewige Ruh' und ein Gläsle Schnaps dazu", lautet etwa eine der Kreuzinschriften. Ein weiteres Beispiel: "Aufigstiegn - obagfallen - hingwösen".

Die Bauernmaler - "Tuifelemaler" genannt - waren bestrebt, das Leben des Verstorbenen in einem Zweizeiler zusammenzufassen. Das Ergebnis war dann häufig ein wenig charmanter Nachruf, wie etwa "Hier liegt Manfred Krug, der Kinder, Weib und Orgel schlug".
Inschrift auf Grabkreuz (Bild: ORF)
Solche Grabinschriften nicht nur im Alpenraum
Solche Grabinschriften gibt es aber nicht nur im Alpenraum. Sie finden sich auch in Australien und Amerika. Auf das europäische Festland ist diese Strömung laut Historikern im 17. Jahrhundert von England her übergeschwappt.
Arkadenhof mit Kapelle soll entstehen
Nach dem am Mittwoch erfolgten Spatenstich entsteht bis zum Herbst 2011 auf dem Gelände der Sagzahnschmiede in Kramsach auf über 1.200 Quadratmetern ein Arkadenhof mit Kapelle. In den Arkaden wird die historische Entwicklung der alpenländischen Grabdenkmäler dokumentiert. Der Plan für die Anlage stammt vom Salzburger Diözesanarchitekten Peter Schuh.
Jährlich kommen mehr als 200.000 Besucher
Das Areal soll für 200.000 Euro um über 1.200 Quadratmeter vergrößert werden. Die oft skurrilen und wenig pietätvollen Inschriften locken jedes Jahr mehr als 200.000 Besucher nach Kramsach. Für Vereinsobmann und Sagzahnschmied Hans Guggenberger geht mit dem Arkadenhof zum zehnjährigen Bestandsjubiläum des "Verein Museumsfriedhof Tirol" ein langer Wunsch in Erfüllung.
Im Erweiterungsteil soll die historische Entwicklung alpenländischer Grabdenkmäler dargestellt werden.
700 Grabkreuze aus fünf Jahrhunderten
Das derzeitige Freilichtmuseum mit den kuriosen und lustigen Grab- und Marterlsprüchen werde um einen ebenso wichtigen Teil, betreffend die historische Entwicklung alpenländischer Grabdenkmäler, erweitert, betonte er. Erstmals könnten die schönsten Sammelobjekte aus dem mittlerweile auf über 700 Grabkreuze aus fünf Jahrhunderten angewachsenen Depot der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Der Museumsfriedhof Tirol ist untertags ganzjährig kostenlos zu besichtigen. Das soll auch für den Erweiterungsbau der Fall sein.
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