Tirol ORF.at
MI | 11.04.2012
Blick ins Inntal (Bild: Hammer/Lizenz: Gemeinfrei)
UMWELT
Auch in Tirol ist größeres Erdbeben möglich
Das gesamte Inntal, insbesondere die dicht besiedelte Landeshauptstadt Innsbruck, liegt auf einer Erdbebenlinie. Mit Erdbeben ist in Tirol zu rechnen, sagen Experten. Aber die Folgen wären bei uns nicht so schwer wie in Japan.
In Tirol rechnet man mit einem Beben der Stärke fünf bis sechs.
Tiroler Beben kann nicht vorhergesagt werden
"Ein Beben der Stärke 8,9 wie in Japan ist in Tiol nicht möglich", schickt der Seismologe der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) Wolfgang Lenhardt gleich voraus. "Aber ein Beben zwischen fünf und sechs auf der nach oben offenen Richterskala ist durchaus denkbar. Wann dieses Beben kommt können wir natürlich nicht vorhersagen, aber wir rechnen damit in den nächsten 50 bis 100 Jahren."

"Es gibt immer wieder kleinere Erdbeben in Tirol, 20 hat es allein im Jahr 2010 gegeben. Gebäudeschäden sind aber eher selten", so Lenhardt.
Chronikale Aufzeichnungen (Bild: ORF)
In den Archiven des Landes sind Schriften der schweren Tiroler Erdbeben zu finden.
Historisches Beben in Hall
Dass auch größere Ereignisse in Tirol möglich sind, wissen die Wissenschafter aus der Vergangenheit. Christa Hammerl arbeitet auch für die ZAMG, aber als Historikerin. Sie versucht anhand von Schriften und Bildern Erdbeben zu rekonstruieren, so auch das Erdbeben in Hall aus Jahr 1572. "Es wird von einem großen Beben in der Neuzeit berichtet. Im Jänner 1572 wurde Hall in zwei Wochen von einer Serie heftiger Beben erschüttert."
Kupferstich Erdbeben Hall (Bild: Land Tirol)
Ein Kupferstich zeigt die Verwüstungen nach dem schweren Beben in Hall in der frühen Neuzeit.
Bauliche Verstärkungen in Innsbruck (Bild: ORF)
Verstärkungen an den Bögen in der Innsbrucker Altstadt.
Drei große Beben in Innsbruck
Die Bewohner der Landeshauptstadt Innsbruck hatten unter drei großen Erdbeben zu leiden: 1572, 1670 und 1689. Damals wurde begonnen, die Häuser erdbebensicher zu bauen. Zu sehen ist das heute noch, etwa an den Laubengängen in der Altstadt, die baulich verstärkt wurden. Oder es wurden Mauern nachträglich verstärkt, oder es wurden sogenannte Klammern angebracht, die die Häuser zusammenhalten sollten.
Klammern an den Häusern (Bild: ORF)
Die Klammern an den Häusern sollten die Gebäude im Falle eines Bebens zusammenhalten.
Große Katastrophenübung in Vorbereitung
Im Jahr 2012 wird das Land eine große Katastrophenübung abhalten. Das kündigt Landesgeologe Gunther Heißel an. Alle Rettungsorganisationen proben dann den Ernstfall. "Aber auch jetzt schon existieren Notfallpläne", sagt Elmar Rizzoli, der für die Sicherheit Zuständige in der Stadt Innsbruck.

Jedes Jahr werde in Innsbruck eine Übung durchgeführt. Die Gemeindeeinsatzleitung, die aus 36 Personen besteht, werde im Fall der Fälle sofort zusammentreten. "Die ganze Stadt mit 120.000 Einwohnern zu evakuieren ist wohl nicht möglich, aber einige 1.000 Menschen können jederzeit sehr schnell in Sicherheit gebracht werden", so Rizzoli.
Verschärfte Bauordnung
Innsbruck wird in der europäischen Baunorm mit der "Zone 4" klassifiziert. "Das ist österreichweit die höchste Stufe", sagt Christian Kugler von der Abteilung Bauordnung im Innsbrucker Rathaus.

Salzburg hat etwa nur die Stufe 1. "In Innsbruck müssen die Häuser auf jeden Fall erdbebensicher gebaut werden, und das sind alle Häuser, die ab den 90ern errichtet wurden. Die Wände müssen so gebaut sein, dass sie horizontale Kräfte aushalten. Es müssen teils Stahlverstrebungen eingezogen werden, oder es wird die Verbindung zwischen Decke und Wand so gebaut, dass sie wie eine Art Gelenk funktioniert", so Kugler.

Tirol ist für Erdbeben also gerüstet und rüstet sich weiter. Doch Verwüstungen, die mit Japan nur annähernd vergleichbar sind, werden von den Experten ausgeschlossen.

Brita Bauer, tirol.ORF.at
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