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MI | 11.04.2012
Schauspieler Malcolm Keen (Bild: Courtesy of the Academy of Motion Picture Arts and Sciences)
MEDIEN
Meistgesuchter Film der Welt stammt aus Tirol
Den Stummfilm "The Mountain Eagle" von Alfred Hitchcock hat das British Film Institute (BFI) zum meistgesuchten Film der Welt ernannt. Die zweite Regiearbeit von Alfred Hitchcock aus dem Jahre 1926 wurde im Ötztal realisiert.
Hitchcock suchte kleines, romantisches Dorf in unberührter Bergwelt.
Obergurgl auf Postkarte in München entdeckt
Einer kleinen Postkarte war es zu verdanken, dass Alfred Hitchcock 1926 das Tiroler Ötztal für seine Dreharbeiten auswählte. Für die Außenaufnahmen suchte er nach einem kleinen, romantischen Dorf in einer unberührten Bergwelt.

Während der Vorbereitungen in München entdeckte Hitchcock in der Auslage eines Geschäfts die Postkarte. Er fragte den Ladenbesitzer, wo denn das Dorf auf der Postkarte läge. Das sei "Obergurgl in Tirol", sagte dieser.
Alfred Hitchcock (Bild: Courtesy of the Academy of Motion Picture Arts and Sciences) Lange Fahrt mit Zug und offenem Wagen
Hitchcock machte sich mit seinem deutschen Assistenten sogleich auf den Weg dorthin. Mit dem Zug nach Innsbruck und dann mit einem offen Wagen über sieben Stunden ins Ötztal und von dort noch einmal zweieinhalb Stunden zu Fuß nach Obergurgl.

Von Obergurgl sofort fasziniert
Die beiden waren sich eigentlich schon einig, dass unter diesen Transportbedingungen kein Filmteam arbeiten konnte. Doch als die beiden Obergurgl erreicht hatten, war Hitchcock fasziniert. Er hatte gefunden, wonach er suchte. Ein kleines, idyllisch gelegenes Dorf mit schneebedeckten Bergen und grünen Wäldern, fernab jeder modernen Zivilisation.
Filmcrew wegen Schneefalls zu Untätigkeit gezwungen.
Neuschneedecke statt Wiesen und Wäldern
Alfred Hitchcock beschrieb in einem Interview die Herausforderungen, die während der Dreharbeiten im Oktober 1926 auftraten. Nach der damals sehr beschwerlichen Anreise ins Ötztal und dem Aufstieg nach Obergurgl suchte Hitchcock mit seinem Kameramann sofort die erste Einstellung für die Außenaufnahmen aus.

Doch als sie am Morgen aus dem Fenster ihrer Unterkunft blickten, lag eine dichte Neuschneedecke auf den am Vortag noch grünen Wiesen und Wäldern.
Starker Schneefall auch in Umhausen
Also entschloss er sich nach einigen Szenen im Schnee, noch am selben Tag für den Abstieg nach Umhausen. Nun sollten dort die Aufnahmen gemacht werden. Doch am nächsten Tag lag auch hier Neuschnee. Der starke Schneefall zwang die Filmcrew zur Untätigkeit.
Alfred Hitchcock und Alma Reville (Bild: Courtesy of the Academy of Motion Picture Arts and Sciences)
Alfred Hitchcock und Alma Reville während der Dreharbeiten zu Hitchcocks zweiter Regiearbeit
Feuerwehr sollte Schnee mit Pumpen wegwaschen.
Ganzes Tal unter Schneedecke begraben
Nach vier Tagen legte sich der Schneefall, doch Hitchcock war verzweifelt. Das ganze Tal lag unter einer dichten Schneedecke.

Er musste etwas unternehmen: "Hier half nur noch eine Sache: wir mussten Tauwetter produzieren. Ich sprach mit den vier Männern, die die Freiwillige Feuerwehr von Umhausen bildeten und überzeugte sie davon, dass sie mit ihrer Feuerwehrpumpe den Schnee wegwuschen." Diese richteten ihre Handpumpe auf das Dorf und befreiten Dächer, Bäume und Boden vom Schnee.
Undichtes Dach sorgt für Sturzbäche in Haus
Doch eines der Häuser schien ein undichtes Dach zu haben und die Bewohnerin beschwerte sich bitterlich über die Sturzbäche in ihrem Heim. Der Bürgermeister forderte einen Schilling Entschädigung für die Frau. Hitchcock gab ihr zwei. "Wenn ich ihr zehn gegeben hätte, dann hätte ich das ganze Tal überschwemmen können, so hat sich die Frau gefreut."
Schauspieler Malcolm Keen während der Dreharbeiten (Bild: Courtesy of the Academy of Motion Picture Arts and Sciences)
Schauspieler Malcolm Keen
"The Mountain Eagle" ist bis heute verschollen.
Film verschwand rasch aus Kinos
Nach den ersten Vorführungen 1927 verschwand der Film rasch aus den Kinos, und während von allen anderen Hitchcock-Filmen noch Kopien vorhanden sind, ist "The Mountain Eagle" bis heute verschollen.

Einzig die Tagebuchaufzeichnung des Meisterregisseurs, einige Filmkritiken und unlängst gefundene Fotos von den Dreharbeiten dokumentieren diese historische Filmproduktion im Tiroler Ötztal.
"Most wanted of the most wanted films".
Filmhistorischer Suchtrupp soll Film finden
Das British Film Institute zählt zu den renommiertesten Filminstituten der Welt und hat sich der Dokumentation der internationalen Filmgeschichte in besonderer Weise verschrieben. Kürzlich ernannte das BFI den Stummfilm "The Mountain Eagle" zum "most wanted of the most wanted films" ernannt.

Mit Hilfe eines "filmhistorischen Suchtrupps" im eigenen Team, durch Hilfestellungen anderer Filmarchive, Filminstitute bzw. Film Commissions und einen internationalen Aufruf hat das BFI einen erfolgversprechenden Versuch gestartet, diesen Film doch noch zu finden.
Anfragen im Ötztal häufen sich
Auch im Ötztal weiß man von der Suche nach dem Stummfilm. Beim Gemeindechronist von Sölden, Ewald Schöpf, häufen sich die Anfragen. Genaue Informationen oder gar eine Kopie des Films habe er aber auch nicht.
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