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MI | 11.04.2012
Bild: APA/Parigger
unglück sölden
Technischer Defekt als Ursache
Zum schrecklichen Seilbahnunglück in Sölden vom September liegt jetzt das technische Gutachten vor. Demnach hat ein Defekt das Öffnen des Lastenhakens am Hubschrauber verursacht. Der Pilot wird wieder fliegen.
Bild: ORF (Sölden Seilbahnunglück Defekt) Fehlschaltung durch Defekt
Der Pilot des Unglückshubschraubers von Sölden, der Anfang September beim Überfliegen der Seilbahntrasse einen Betonkübel verloren hatte, der auf eine Gondel fiel, betätigte den Auslöser nicht. Das geht aus dem vom Verkehrsministerium in Auftrag gegebenen Gutachten hervor.

Vielmehr löste ein Metallspänchen eine Fehlschaltung aus. Es kam zu einer Art Kabelbrand, der Lastenhaken am Hubschrauber öffnete sich und der Betonkübel fiel auf die Gondelbahn und riss diese aus der Verankerung.
Neun Tote
Bild: APA/PariggerBei dem Unglück kamen neun Kinder und Jugendliche aus Deutschland ums Leben, sie wurden teilweise aus den Gondeln geschleudert.
Bild: ORF (Soelden: techn_Defekt) Wartung nach Vorschrift
Das Gutachten entlastet den Tiroler Hubschrauberpiloten und laut Ministerium auch die Helikopterfirma Knaus. Denn es seien sämtliche Wartungsarbeiten am Fluggerät laut Vorschrift durchgeführt worden, heißt es.

Erleichterung bei Knaus
Für den Chef der Salzburger Hubschrauberfirma Roy Knaus bringt das Gutachten trotzdem nur wenig Erleichterung. "Es macht es erträglich, bringt aber den Hinterbliebenen nichts, das darf man nicht vergessen. Wir müssen schauen, dass so etwas nicht mehr passiert. Ich bin aber froh, dass der Pilot und das Unternehmen schuldlos sind."
Pilot soll wieder fliegen
Roy Knaus will den Unglückspiloten von Sölden, Markus Jäger, wieder fliegen lassen. Jäger werde ab Dezember mit einer Maschine unterwegs sein.

Die bisherigen Vermutungen seien durch das Gutachten bestätigt, meinte Knaus. Bei ihm seien zwei Maschinen des Typs Lama betroffen gewesen. Bei beiden Hubschraubern sei unmittelbar nach dem Unglück der Schalter getauscht worden, in dem durch Abrieb der fehlerhafte Impuls ausgelöst worden war.

1.000 Maschinen betroffen
Weltweit seien etwa 1.000 Maschinen des französischen Herstellers betroffen, vermutete der Hubschrauberchef. In Österreich verfüge neben einem Mitbewerber auch das Bundesheer in den Alouette-III und Alouette-IV Maschinen über derartige Schalter. Dort habe man mittlerweile bei Untersuchungen ähnliche Effekte festgestellt, berichtete Knaus.
Pilot: "Vorzeitiges Weihnachtsgeschenk"
Pilot Markus Jäger (35) freute sich über das technische Untersuchungsergebnis. Seine Vermutungen des technischen Gebrechens hätten sich bestätigt. "Für mich ist das ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk, der Nachgeschmack der Toten aber bleibt", sagte Jäger.

Bitterer Nachgeschmack
Ihm sei "ein Riesenstein vom Herzen gefallen", als er über die Medien vom Ergebnis der Untersuchungen erfahren habe. "Ich habe gewusst, dass es ein technischer Fehler sein muss, weil ich weder gedrückt noch gefunkt habe", beteuerte Jäger.

Für ihn bleibe trotzdem die Frage, warum ausgerechnet ihm das passieren habe müssen. Würde man genau oberhalb der Seilbahn mit dem Betoncontainer stehen bleiben und versuchen, das Seil zu treffen, hätte man vermutlich gar keine Chance, meinte der Pilot. "Aber auf das Warum gibt es keine Antwort, da kommt man auf keinen grünen Zweig", sagte Jäger.
Innsbrucker Staatsanwaltschaft
Die Ergebnisse des Sachverständigen liegen dem Ministerium zwar vor, nur müssen diese Ergebnisse auch in die Form eines offiziellen Gutachtens gebracht werden. Erst wenn dieses Gutachten der Innsbrucker Staatsanwaltschaft vorliegt, und dieses wirklich die Unschuld des Hubschrauberpiloten beweist, könnten die Ermittlungen gegen ihn eingestellt werden.

Ob es dann neue Ermittlungen gegen eine der Herstellerfirmen geben werde, könne man zu diesem Zeitpunkt nicht sagen, theoretisch wäre das aber denkbar, meint der leitende Staatsanwalt Rudolf Koll. Mit dem Eintreffen des offiziellen Gutachtens rechne er in den nächsten Tagen.
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